Kultur : Nahost-Krise: Ein Mann für schwierige Stunden

Andrea Nüsse

Die Stunde des Hosni Mubarak hat wieder einmal geschlagen. Wenn nichts mehr geht, ist der erfahrene ägyptische Vermittler gefragt. So war es im Februar 1995, als sich die Fronten im Nahostkonflikt nach einer Serie von Anschlägen in Israel als Reaktion auf den fortgesetzten jüdischen Siedlungsbau in den besetzen Gebieten verhärtet hatten. Damals gelang es Mubarak, den israelischen Premier Rabin, Palästinenserchef Arafat und den jordanischen König Hussein erstmals seit Beginn des Friedensprozesses zusammen um einen Tisch zu versammeln - in Kairo. Nach der Serie von Terroranschlägen der islamistischen Hamas in Israel 1996 war Mubarak Gastgeber des Anti-Terror-Gipfels von Scharm el Sheikh, an dem etwa 30 Staats- und Regierungschefs teilnahmen. Angesichts der jetzigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern wird es wohl auch nur Mubarak gelingen, die Gesprächspartner an einen Tisch zu bringen.

Denn der 72-jährige ägyptische Präsident ist nach dem Tod des verstorbenen jordanischen Königs Hussein der einzige Politiker, der gute Verbindungen zu beiden Seiten des Konfliktes hat. Während die USA immer die israelische Position stützen, hat sich Mubarak als Vorkämpfer eines "gerechten Friedens" seit 1993 das Vertrauen der Palästinenser erworben. Nachdem Ägypten nach dem Separatfrieden mit Israel in der arabischen Welt isoliert war, gelang es Mubarak in beharrlicher Überzeugungsarbeit, wieder in den Kreis der Bruderstaaten aufgenommen zu werden und Ägypten seine Rolle als Regionalmacht zu sichern. Zwar ist Ägypten von amerikanischer Wirtschaftshilfe abhängig - seit dem Frieden mit Israel fließen jährlich zwei Milliarden Dollar in das Land am Nil. Doch dies hindert Mubarak nicht daran, die Sichtweise der arabischen Welt klar kundzutun. So hat er in einem Spiegel-Interview vom Feburar 2000 mit Hinblick auf den Kampf der Hizbollah gegen die israelische Militärpräsenz in Südlibanon klar gemacht, was Recht und was Unrecht ist: "Das Recht auf Widerstand gegen fremde Besatzer ist das Grundrecht eines jeden Volkes." Dem syrischen Präsidenten Assad bescheinigte er, zu Recht auf die Rückgabe des gesamten Golan zu bestehen - schließlich habe Ägypten ja auch den gesamten Sinai ohne Abstriche von Israelis im Gegenzug für den Frieden zurückerhalten. Und Israel sagte er deutlich, dass es mit seiner Taktik, Arafat immer nur hinzuhalten, mit dem Feuer spiele, weil Arafat diese "Gängelei" nicht ewig mitmachen könne. Diese Politik sei "einfach fatal", sagte Mubarak Anfang des Jahres.

Noch zu Wochenbeginn weigerte sich Mubarak, dem amerikanischen Wunsch zu folgen und einen Gipfel zwischen Barak, Arafat und Clinton auszurichten. Er knüpfte die Ausrichtung des Treffens an Bedingungen: Die Iraelis müssten sich mit ihrem schweren Militärgerät aus den palästinensischen Gebieten zurückziehen und eine internationale Untersuchungskommission zulassen, die die Umstände des Todes von sieben Palästinensern am ersten Tag der Demonstrationen auf dem Tempelberg klärn solle. Nach dem Lynchmord an zwei israelischen Soldaten und den israelischen Bombardierungen der Palästinensergebiete ließ Ägypten diese Bedingungen fallen. Nun fordert Mubarak nur noch ein Ende der israelischen Angriffe auf die Palästinenser. Die Einladungen hat er nach britischen Angaben bereits verschickt. Fest steht, dass am 21. Oktober unter Mubaraks Führung erstmals seit 1996 wieder ein arabischer Gipfel in Kairo stattfindet, auf dem eine panarabische Position zu den Ereignissen in Nahost gefunden werden soll.

Mubarak hat selten mit eigenen spektakulären Vorschlägen in den Friedensprozess eingegriffen. Daher kann er die Amerikaner als Vermittler nicht ersetzen. Seine Stärke ist es, Gespräche gerade in aussichtslosen Situationen wieder in Gang zu bringen. Dieses Talent ist heute in Nahost gefragt.

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