Kultur : Napster: Nur ein paar Klicks und schon kommt die Musik

Klaus Angermann / Kurt Sagatz

Durch die Allianz mit Napster hat sich Bertelsmann einen ungeschliffenen Diamanten gesichert. Nicht nur die Tatsache, dass über das System täglich Millionen von Musiktiteln - derzeit noch völlig illegal - hin- und herkopiert werden, macht die von dem inzwischen 19-jährigen Amerikaner Shawn Fanning programmierte Software so genial. Es ist vielmehr die Idee hinter dem Programm, die den eigentlichen Reiz und die technologische Innovation ausmacht. Über das System Napster - das seit der Kooperation mit Bertelsmann nun als Peopleto-People-Plattform wertfrei beschrieben wird - kann man alles, was jemals digitalisiert wurde, mit jedem teilen. Napster ist somit die Reinform des Internets, des weltweiten Vernetzens und des globalen Datenaustauschs.

So genial die Idee ist, so einfach ist die Nutzung: Es muss lediglich ein kleines Programm aus dem Internet geladen werden, mit dem die Bestände der anderen angeschlossenen Nutzer nach interessanten Inhalten durchforstet werden und man seine eigenen Titel zum Download freigibt. Die Napster-Software selbst kostet außer den Übertragungskosten nichts und ist nach anschließender Installation auf dem PC (seit kurzem gibt es auch eine Beta-Version für den Mac) sofort einsatzbereit. Zum Start des englischsprachigen Werkzeugs wird ein frei wählbarer Benutzername sowie ein beliebiges Passwort eingetragen, zusätzlich kann eine E-Mail-Adresse angegeben werden. Da Napster bislang in dem Ruf stand, zutiefst illegal zu sein, wurden dabei x-beliebige Wunschnamen eingegeben.

Ende der Anonymität

Dies dürfte sich nach dem Einstieg von Bertelsmann und dem geplanten Umbau von Napster zu einer seriösen Handelsplattform ändern, denn die Abrechnung der Abonnements erfordert schließlich Personen mit real existierender Kreditkarte oder einem tatsächlich vorhandenen Verrechnungskonto. Im Moment genügen die Fantasienamen und Angaben zur Verbindungsart wie ISDN, Modem oder Standleitung.

Im nächsten Schritt durchsucht Napster auf Wunsch die Festplatte nach Verzeichnissen, in denen Musiktitel im komprimierten MP3-Format liegen. Man kann aber auch selbst die Verzeichnisse und Ordner bestimmen, die für andere Musiksuchende erreichbar sein sollen. Nicht jeder ist dazu freilich bereit, denn die Angst, wildfremden Menschen Zugang zu seinem Rechner zu gewähren, sitzt angesichts der zunehmenden Zahl von Viren und Trojanischen Pferden tief.

Gleichwohl dauert die Einrichtung nur wenige Minuten. Danach steht der weltweiten Titelsuche nichts mehr im Weg. Die Suchmaske gestattet die Recherche nach Interpret oder Songtitel. Weitere Einstellungen regeln die Verbindungsgeschwindigkeit und somit die Zeit, in der ein Titel auf die eigene Festplatte kopiert werden kann. Wer selbst über eine schnelle Datenleitung verfügt, sucht sich Rechner, die diesen Geschwindigkeitsvorteil unterstützen. Andere Napster-Freunde, die besonders viele interessante Songs lagern, können zudem als "Hot User" deklariert werden. So können gezielt Napster-Nutzer aufgesucht werden, die den Musikgeschmack teilen. Frei nach Shawn Fanning: "Wer dachte, Napster sei großartig, sollte abwarten. Wir haben gerade erst angefangen."

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