• NEUE LITERATUR VON UND ÜBER W.G. SEBALD: Längst sind die Spätheimkehrer aus den Gassen verschwunden

NEUE LITERATUR VON UND ÜBER W.G. SEBALD : Längst sind die Spätheimkehrer aus den Gassen verschwunden

W. G. Sebald:

Über das Land und das Wasser. Ausgewählte Gedichte 1964–2001. Hanser Verlag , München 2008. 117 S., 14,90 €.

Nein, ein großer Dichter war er nicht. Die zum Teil noch nie veröffentlichten oder in Sebalds Freiburger Studentenzeitung wiedergefundenen Gedichte wollen aber auch längst nicht so hoch hinaus wie die Prosa. Gemessen an den langen Satzschlingen seiner Romane, in denen die ruhigeTrägheit des erzählerischen Atems konkurriert mit einem artistischen Element, sind diese Texte denkbar unprätentiös. Gelegenheits- und Reisegedichte, im Zug oder im Hotelzimmer schnell geschrieben, in poetische Zeilen zerbrochene Skizzen: „In Bamberg / liege ich schlaflos/ in einem steinernen / Haus. Längst sind / die Spätheimkehrer / aus den Gassen verschwunden und / es ist still, nur / die Regnitz rauscht / über das Wehr.“

W. G. Sebald: Zerstreute Reminiszenzen. Gedanken zur Eröffnung eines Stuttgarter Hauses. Hg. von Florian Höllerer. Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2008. 32 Seiten,2 Beilagen, 16 €.

Der Text, schon bekannt aus „Campo Santo“, bietet Sebald in nuce. Die reich illustrierte Präsentation aber erlaubt es, ihn wie neu zu lesen. Und der Teilreprint der Schülerzeitschrift „der wecker“, zu der der Gymnasiast einen Essay über Albert Camus’ Algerien beisteuerte, ist ein echtes Fundstück.

Ulrich von Bülow u. a. (Hg.): W. G. Sebalds Unterwelt. Marbacher Katalog 62. 238 Seiten, 20 €.

Der Katalog zur Ausstellung – und mehr. Ein opulent illustrierter Aufsatzband von bewährter Marbacher Qualität, der überdies Sebalds bisher unveröffentlichte „Aufzeichnungen über Korsika“ enthält.

Paul Michael Lützeler/Stephan K. Schindler (Hg.): Gegenwartsliteratur. Ein germanistisches Jahrbuch. A German Studies Yearbook. Schwerpunkt W. G. Sebald. Stauffenburg Verlag, Tübingen 2007. 294 S., 24,50 €.

Ein gutes Beispiel für die Rätsel, die Sebald der Literaturwissenschaft aufgibt – und als Projekt zweier Germanisten, die an der Washington University in St. Louis/Missouri, lehren, ein beredtes, halb deutsches, halb amerikanisches Zeugnis für den Status, den er im Ausland genießt. Instruktive Aufsätze über Sebalds Beziehungen zu seinem Freund, dem Maler Jan-Peter Tripp, zu Giorgio Bassani, Johann Peter Hebel, Ernst Bloch und Alexander Kluge – nicht ohne die gelegentliche Versuchung zur theoretischen Turnübung, wenn etwa Peter O. Arnds „Austerlitz“ mit Hilfe von Nietzsche, Heidegger und Deleuze zu Leibe rückt. dotz

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