Neues Album : Sting hat seine größten Hits mit Orchester eingespielt

Sting bedeutet ja bekanntlich "Stachel" - auf seinem neuen Album „Symphonicities“ zeigt sich der Sänger jedoch eher aalglatt. Und leise.

Georg Rudiger

Sting gehört nicht zu den Rockstars, die versuchen, ihre jugendliche Wildheit im Alter zu konservieren. Der 58-jährige Engländer, der in der Toskana lebt, will mit jedem Album eine neue Facette an sich entdecken. Seine Beschäftigung mit Liedern des englischen Renaissancekomponisten John Dowland, für die er Gesangsunterricht an der Basler Schola Cantorum nahm, war nur Puristen ein Gräuel. Man konnte durchaus fasziniert sein von Stings rauchig-zarten Interpretationen der schmerzvollen Lieder. Auch bei seinem Programm mit Folksongs und Schuberts „Leiermann“ fragte man sich nur gelegentlich: Sting, wo ist dein Stachel?

Auf seiner neuen CD „Symphonicities“ (Deutsche Grammophon) hat er nun das Kammerorchester, das ihn schon bei seinem Weihnachtsprogramm letzten Dezember im Festspielhaus Baden-Baden begleitete, zum Symphonieorchester erweitert. Mit dem Royal Philharmonic Concert Orchestra bläht Sting einige seiner Hits sowie ein paar weniger bekannte Stücke symphonisch auf. Streicherteppiche treffen auf Hornrufe, Harfen-Arpeggi auf Oboensoli. Das geht leider oft schief.

Viele Songs wirken kraftlos, kommen nicht auf den Punkt. Sie sind noch flauschiger, noch bequemer. Die meisten werden am Ende ausgeblendet – und wären nicht nur deshalb eine ideale Einschlafhilfe. „Every Little Thing She Does is Magic“ erhält ein symphonisches Vorspiel mit Harfen-Oboen-Flöten-Geplätscher, „I Hung My Head“ lässt verwegene Harmonien in eine mit viel Vibrato gespielte Mundharmonika münden. „The End Of The Game“ ist so weich gebettet, dass man Rückenschmerzen bekommt. Und wenn Sting die Streicher rocken lässt wie im Opener „Next To You“, dann sehnt man sich nach der einfachen Power von Bass, Gitarre und Schlagzeug.

Aber es gibt auch Lichtblicke. „Englishman In New York“ bleibt dicht am Original, was dem Song guttut. Und bei „Roxanne“ gelingt es dem Sänger sogar, das Vertraute neu erscheinen zu lassen. Ein Fugato als Vorspiel, ehe Sting eine Oktave tiefer als gewohnt einsetzt. Hier hört man die Empathie mit einem Mädchen, das seinen Körper verkauft.

Am 21. 9. präsentiert Sting sein Album mit Orchester in der Berliner O2-World.

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