Neugewinn für die Berlinische Galerie : Hommage an die DDR-Architektur

Die Berlinische Galerie zeigt nach jahrzehntelanger Lagerung erstmals Architekturentwürfe zur Gestaltung Ost-Berlins aus den Siebziger Jahren.

Johannes Metternich
Der Palast der Republik, architektonisches Wahrzeichen der DDR, abgerissen 2008. Im Hintergrund der Berliner Dom.
Der Palast der Republik, architektonisches Wahrzeichen der DDR, abgerissen 2008. Im Hintergrund der Berliner Dom.Foto: dpa

Ein beeindruckendes Zeugnis an DDR-Baukunst kann die Berlinische Galerie nach langwieriger Restaurationsarbeit nun erstmalig im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit vorstellen. Es handelt sich um 18 Schaubilder von Entwürfen des DDR-Architekten Dieter Urbach aus den 1970er-Jahren, welche Ideen für den Aufbau des Ost-Berliner Zentrums zur Hauptstadt der DDR veranschaulichen. Die Collagen lagerten fast 40 Jahre im Verborgenen und konnten erst durch die Unterstützung des Bündnisses "Kunst auf Lager" und der Kulturstiftung der Länder umfangreich restauriert und damit wieder öffentlich zugänglich gemacht werden. Eine konzentrierte Auswahl dieser Werke ist nun in der Sammlungspräsentation „Kunst in Berlin 1880-1980“ ausgestellt.

DDR-Architekturcollagen von Dieter Urbach in der Berlinischen Gallerie
Bürogebäude des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes, Mollstraße 1, Berlin Mitte. Entwurf eines unbekannten Architekten, um 1968Alle Bilder anzeigen
1 von 3Foto: Dieter Urbach
03.10.2015 15:33Bürogebäude des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes, Mollstraße 1, Berlin Mitte. Entwurf eines unbekannten Architekten, um...

Der Architekt und Grafiker Dieter Urbach, geboren 1937 in Beutnitz-Crossen im heutigen Polen, erstellte die Collagen im Auftrag renommierter DDR-Architekten, wie zum Beispiel Heinz Graffunder oder Josef Kaiser. Von der Freiraumgestaltung vor dem Fernsehturm bis zum Großen Saal im 2008 abgerissenen Palast der Republik und dem – nach der Wende ebenfalls zerstörten – Palasthotel dokumentieren sie wichtige Ost-Berliner Großbauvorhaben der Nachkriegsmoderne. Zur Anfertigung der Collagen verwendete Urbach neben eigens aufgenommenen Fotografien auch Ausschnitte aus Zeitschriften, Tusche- und Bleistiftzeichnungen, Airbrush und Deckweiß.

Die Bilder dienten seinerzeit nicht bloß als Planungsentwürfe für mögliche Bauvorhaben: Aufgrund ihrer leichten Lesbarkeit und ihrer Aufbruch vermittelnden Motivik wurden Urbachs Collagen im Anschluss zudem medial verwertet und verbreitet. Reproduktionen wurden in Bauausstellungen gezeigt und in der Tages- und Fachpresse publiziert. Urbachs Stadtansichten zeigen nachvollziehbar die idealen wie idealisierten Planungsziele für Ost-Berlin und illustrieren das damalige Verständnis der DDR-Architekten von repräsentativer Bauweise. Zudem gewinnen sie zusätzlich an historischer Bedeutung, da solche fotorealistischen Raumdarstellungen von Planungsvorhaben wegen ihrer aufwändigen manuellen Herstellung seinerzeit selten angefertigt wurden. Heute, in Zeiten von 3D-Animationen und fotorealistischen Renderings, besitzen sie umso mehr Seltenheitswert.

Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128. Mittwoch-Montag 10-18 Uhr, Tageskarte 8, ermäßigt 5 Euro.

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