Kultur : Nicht ganz aus heiterem Himmel

Eine Migräne-Attacke hat oft Vorboten. Durch Änderungen des Lebensstils lässt sie sich beeinflussen

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Als ein „Gewitter im Kopf“ wird Migräne gern bezeichnet. Dass ein solches Gewitter im Anzug ist, können die Opfer des halbseitigen Kopfschmerzes oft ziemlich gut anhand der Vorboten erkennen. Müdigkeit ist die häufigste Beschwerde im Vorfeld einer Attacke, an zweiter Stelle folgen die gefürchteten Sprachstörungen. Diese beiden Vorzeichen prognostizieren den bevorstehenden Kopfschmerz am genauesten, wie eine britische Studie an 120 Migränepatientinnen und patienten ergab. Viele Patienten bemerken außerdem einen charakteristischen Drang zum Gähnen. Er befällt sie vor einer Migräne-Attacke häufig, ohne dass sie sich müde fühlen.

Von der Grundlage her ist Migräne, wie man heute weiß, eine genetisch bedingte Erkrankung. „Erbfaktoren sind der Grund dafür, dass das Nervensystem auf innere und äußere Reize besonders empfindlich reagiert“, sagt der Neurologe und Migräne-Spezialist Stefan Evers von der Uni Münster.

So genannte Triggerfaktoren können eine Schmerzattacke auslösen. Solche Auslöser sind bei Frauen – und vier von fünf Migräne-Opfern sind weiblich – häufig Hormonschwankungen. Aber auch Wechsel im Schlaf-Wach-Rhythmus, Stress und sogar bestimmte Nahrungsmittel können den Kopfschmerz heraufbeschwören.

Doch an den Auslösern kann man etwas drehen. Ein Mann, der weiß, dass ihm Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus’ gefährlich werden, kann auf das sonntägliche Ausschlafen verzichten. Eine Frau, die den Beginn der Monatsblutung als kritische Zeit erkannt hat, mutet sich zu diesem Zeitpunkt möglichst nicht noch andere Belastungen zu. In manchen Fällen hilft auch die „Pille“.

Auf jeden Fall lohnt es sich, eine Entspannungstechnik zu erlernen, etwa die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Entspannung der Muskulatur ist nämlich mit Angst und Stress unvereinbar. Und auf psychologischer Ebene führt die Entspannung zu einer Einengung des Bewusstseins: Schmerz kann leichter ausgeblendet werden.

Inzwischen ist auch erwiesen, dass Ausdauersport die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken deutlich senken kann. Ein Team von türkischen Neurologen überprüfte an 40 Migränepatienten die prophylaktische Wirkung von Ausdauersport. Die Studienteilnehmer trainierten drei Mal pro Woche, nachdem sie zuvor sechs Wochen lang ihre vorbeugenden Medikamente abgesetzt hatten. Schon nach sechs Wochen hatte sich die Anzahl der Migräneattacken halbiert, die Intensität der Schmerzen war um ein Drittel gesunken. Wie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) berichtet, protokollierten die Mediziner in dieser Zeit nicht nur die Kopfschmerzattacken der Patienten, sondern bestimmten darüber hinaus vor, während und nach der Fitnessschulung die Menge des körpereigenen Schmerzhemmers Beta-Endorphin im Blut der Studienteilnehmer. Die Beta-Endorphinspiegel waren bei der Endauswertung im Schnitt fast drei Mal so hoch wie zu Beginn der Studie.

Auch wenn eine Änderung des Lebensstils Besserung verspricht: Kommt es zu einem akuten Migräneanfall, spielen Medikamente meist eine unverzichtbare Rolle. Gegen die akuten Schmerzen helfen bekannte rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen. Doch keiner sollte sich damit mehr als drei Tage hintereinander oder mehr als zehn Tage im Monat selbst verarzten, warnt die DMKG. Deutlich teurer, aber auch in schweren Fällen sehr effektiv sind verordnungspflichtige Präparate aus der Gruppe der Triptane. Sie greifen an Bindungsstellen des Hirnbotenstoffs Serotonin an.

Wenn der Anfall mit Übelkeit verbunden ist, muss die zuerst mit einem Medikament bekämpft werden. Wenn die Anfälle häufiger als drei Mal im Monat auftreten oder sehr beeinträchtigend sind, ist Vorbeugung mit Medikamenten sinnvoll. Dabei kommen zum Beispiel blutdrucksenkende Mittel (Betablocker) in Frage.

Weitere Infos:

www.dmkg.de

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