Kultur : Nicht ohne Goethe

MARTIN WILKENING

"Goethe-Spuren" allüberall.Das Gewicht des "großen deutschen Dichterfürsten" (Zitat Programmheft) lastet in dieser Spielzeit des Schauspielhauses, die schon jetzt beginnt, Goethes 250.Geburtstag einzuläuten, selbst auf einer harmlosen Sonntagsmatinee.Ein Motto muß her, weil ein so bunt zusammengewürfeltes Programm wie dieses sonst kaum noch etwas zusammenhält (außer dem sonntagvormittäglichen Musizieranlaß, der ja eigentlich schon eine etwas lockere Programmgestaltung verträgt): "Musiker bei Goethe", und als solche versammeln sich hier um den Weimarer Kapellmeister Johann Nepomuk Hummel die Herren Mozart, Schubert und Schumann.Musiker bei Goethe?

Warum spielt man bei diesem Motto dann nicht eines der Beethovenschen Streichtrios, wenn so vorzügliche Kammermusiker wie die des Finsterbusch-Trios zur Verfügung stehen, das mit zwei Bearbeitungen Bachscher Fugen von Mozart und Schuberts B-Dur-Trio die zweite Hälfte des Programms bestritt, intonationssicher in der schwierigen Triobesetzung und mit federnder rhythmischer Leichtigkeit in Mozarts Bachschen Fugen.Daß die Schubert-Wiedergabe dann etwas langatmig geriet, lag vielleicht daran, daß sie insgesamt zu sehr von bedächtiger Sorgfalt bestimmt schien, ein Musizieren, dem das impulsive Moment zu sehr abging.

Aus einer Sonate für Klavier und Viola von Johann Nepomuk Hummel vermochte zuvor lediglich Alexander Vitlin am Klavier einige Funken zu schlagen, während Ferenc Gabors Bratschenpart kaum Profil gewann.Zu beiden Musikern trat in Schumanns Märchenerzählungen noch Ralf Forster, als neuer Soloklarinettist einer der herausragenden Musiker des Berliner Sinfonie-Orchesters, dessen von Wärme und Klarheit gleichermaßen geprägter Klarinettenton mühelos in die Poesie dieser musikalischen Erzählungen zu entführen vermochte.

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