"Nichts Neues, keine Zusammenhänge" : Ex-Minister Baum kritisiert RAF-Ausstellung

Der RAF-Terror traf die Bundesrepublik bis ins Mark. Eine Ausstellung setzt sich mit dieser Form politischer Gewalt auseinander. In unbefriedigender Art und Weise, findet Ex-Bundesinnenminister (1978-1982) Gerhart Baum (FDP).

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Ein Mann schaut sich im Deutschen Historischen Museum in Berlin in der Ausstellung "RAF - terroristische Gewalt" das Tatmotorrad des Buback-Anschlags von 1977 an.
Ein Mann schaut sich im Deutschen Historischen Museum in Berlin in der Ausstellung "RAF - terroristische Gewalt" das Tatmotorrad...Foto: doa

Die Rote Armee Fraktion, eine linksextremistische Terrorgruppe der 70er und 80er Jahre, gegründet unter anderem von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof, erschütterte mit Morden, Entführungen, Banküberfällen und Sprengstoffattentaten die Bundesrepublik. Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin setzt sich jetzt mit den Hintergründen und Folgen der politischen Gewalt auseinander. Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) hat sie sich angeschaut - und das Museum unbefriedigt verlassen: Die Schau bleibe bruchstückhaft und hinterlasse Unzufriedenheit, sagte Baum am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. „Sie bietet punktuelle Einblicke, aber macht den Besuchern eigentlich nicht klar, was die RAF gewesen ist“, sagte der FDP-Politiker, der in der Hochzeit des RAF-Terrorismus von 1972 bis 1982 im Bundesinnenministerium arbeitete, seit 1978 als Minister.

Baum sagte, es würden Dokumente und Gegenstände gezeigt wie etwa das Motorrad, das 1977 beim Attentat auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback benutzt wurde: „Aber sie zeigen nicht die Zusammenhänge auf, und wenn, dann ist alles sehr verkürzt.“ Für den Qualitätsanspruch eines Hauptstadtmuseums sei das „viel zu wenig“. So versäume es die Ausstellung, die RAF in die Zusammenhänge einzuordnen, sowohl die internationalen als auch die deutschen.

Die Ausstellung „RAF - Terroristische Gewalt“ ist seit Ende vergangener Woche im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen. Die 550 Quadratmeter große Ausstellung mit 220 Exponaten von Leihgebern war ursprünglich unter dem Titel „RAF - Terror im Südwesten“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg zu sehen. Die Präsentation im Deutschen Historischen Museum erweitert nach Angaben der Ausstellungsmacher die Perspektive um die Geschehnisse in Berlin.

Zeitlich spannt sich der Bogen von der Radikalisierung der studentischen Protestbewegung in West-Berlin Ende der 60er Jahre über die Gewalteskalation im „Deutschen Herbst“ 1977 bis hin zur Auflösung im April 1998. Gezeigt werden nach Angaben des Museums zum Teil bislang unveröffentlichte Filmausschnitte, Fotografien und zeitgenössische Flugschriften sowie Tondokumente.

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