Nobelpreisverleihung : Al Baradei warnt Israel

In Stockholm und Oslo sind die diesjährigen Nobelpreise verliehen worden. Friedensnobelpreisträger Mohammed al Baradei warnte am Rande der Zeremonie Israel vor einem Militärschlag gegen Iran.

Oslo/Stockholm - Die diesjährigen Nobelpreise sind am Samstag in Oslo und Stockholm überreicht worden. Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohammed al Baradei, nahm in der norwegischen Hauptstadt den Friedensnobelpreis in Empfang. Vor der feierlichen Zeremonie warnte der 62-jährige ägyptische Diplomat Israel indirekt vor Militärangriffen auf iranische Atomanlagen. Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreichte in Stockholm die Nobelpreise für Literatur sowie die in vier wissenschaftlichen Sparten an elf Preisträger aus sechs Ländern.

In einem Interview der norwegischen Zeitung «Aftenposten» sagte Al Baradei: «Man kann eine Land nicht mit Gewalt an der Beschaffung von Atomwaffen hindern.» Das norwegische Nobelkomitee hatte den Friedenspreis je zur Hälfte Al Baradei und der in Wien ansässigen IAEO für ihren Beitrag zur Verhinderung der militärischen Anwendung von Atomkraft den Friedensnobelpreis zuerkannt.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gratulierte Al Baradei zur Verleihung der Auszeichnung. «Ich bin überzeugt, dass diese Anerkennung auch den globalen Nichtverbreitungs- und Abrüstungsbemühungen neuen Schwung verleihen wird», schrieb Steinmeier in einem Telegramm. Er versicherte, dass auch die neue Bundesregierung die IAEO in ihren «Bemühungen um eine sicherere Welt nach besten Kräften unterstützen» werde.

Glückwünsche erhielt Al Baradei auch von Papst Benedikt XVI. «Dem Dienst, den Sie für die internationale Gemeinschaft geleistet haben, gebührt die höchste Auszeichnung», hieß es in einem am Samstag veröffentlichten Telegramm, das der Kirchenführer dem IAEO-Chef bereits am 3. November geschickt hatte.

Der britische Dramatiker Harold Pinter (75) konnte wegen seiner Krebserkrankung den ihm zuerkannten Literaturpreis nicht persönlich in Empfang nahmen. Aus Deutschland wurde der Münchner Wissenschaftler Theodor W. Hänsch (63) mit einem von drei Physikpreisen ausgezeichnet. Die Nobelpreise sind mit jeweils zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert.

Pinter ließ sich in Schwedens Hauptstadt von seinem Londoner Verleger Stephen Page vertreten. Er hatte drei Tage zuvor in seiner per Video aus London übermittelten Nobelvorlesung die USA extrem scharf kritisiert und unter anderem Präsident George W. Bush sowie den britischen Premierminister Tony Blair wegen des Irak-Krieges als «Massenmörder» bezeichnet, die wegen ihrer Kriegsverbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof gehörten.

Den Medizinpreis nahmen die beiden australischen Wissenschaftler Barry Mashall (54) und Robin Warren (68) für die bahnbrechende Entdeckung des Erregers von Magengeschwüren in Empfang. Den Nobelpreis für Physik teilte sich Hänsch, Direktor am Münchner Max-Planck-Institut für Quantenoptik, mit seinen US-Kollegen Roy J. Glauber (80) und John L. Hall (71) für grundlegende Beiträge zum Verständnis der Natur des Lichtes.

In der Sparte Chemie zeichnete die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie den Franzosen Yves Chauvin (75) sowie die US-Forscher Robert Grubbs (63) und Richard Schrock (60) für neue Wege zur Produktion von Plastik und Arzneien aus. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften ging an den US-Wissenschaftler Thomas C. Schelling und den in Frankfurt/Main geborenen Robert J. Aumann (75), der die US- und die israelische Staatsbürgerschaft hat. (tso/dpa)

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