Nordkorea in Filmsatire mit James Franco : Als Kim Jong Un das Gesicht schmolz

Zwei Journalisten sollen nach Nordkorea reisen, um im Auftrag der CIA den Diktator Kim Jong Un umzubringen. So der Plot der neuen Hollywood-Komödie "The Interview" mit James Franco. Die nordkoreanische Regierung kann darüber überhaupt nicht lachen - und fordert Obama auf, den Film zu stoppen.

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Kim Jong Un. Foto: dpa
Könnte das Lachen bald vergehen: Kim Jong Un.Foto: dpa

Mit der prachtvollsten Barttracht aller Potentaten kann bislang General Aladeen, Herrscher der arabischen Republik Wadiya, prunken. Flauschig fällt sein pudelartig gekräuselter Kinn- und Wangenbart auf die strahlend weiße Uniformjacke, die mit zahlreichen Orden und Ehrenzeichen dekoriert ist. Doch Obacht! Sobald der launische Despot seine Finger mit einer Sägebewegung zum Bart führt, ist ein Todesurteil gefällt: Rübe ab! Also wird es für seine Untertanen überlebenswichtig, dem Oberbefehlshaber Honig um den Bart zu schmieren. General Aladeen ist ein Geschöpf der Satire, vom britischen Komiker Sacha Baron Cohen nach dem Vorbild von Unheilskreaturen wie Muammar al Gaddafi, Saddam Hussein oder Alexander Lukaschenko für seine Komödie „Der Diktator“ erschaffen. Der Film überzeichnet die Herrschaftspraktiken von Unrechtsregimen ins Groteske, ist aber offenbar so realistisch, dass er in Tadschikistan, Turkmenistan, Weißrussland und Kasachstan verboten wurde.

Womit wir in der Wirklichkeit angekommen wären. Gerade hat das amerikanische Columbia-Filmstudio den Start der Komödie „The Interview“ vom 30. Oktober auf den März 2015 verschoben. Der Film handelt von zwei Journalisten, gespielt von James Franco und Seth Rogen, die ins „gefährlichste Land der Welt“, Nordkorea, reisen, um im Auftrag der CIA den Diktator Kim Jong Un umzubringen. Das Filmplakat zeigt die beiden Helden als Übermenschen im Stil des Sozialistischen Realismus. Im Trailer fahren sie auf einem Panzer mit rotem Stern durch realsozialistische Tristesse, man sieht mit einem Maschinengewehr ballernde Kommissarinnen, startende Atomraketen und einen dicklichen Diktator mit Pottschnittfrisur, der im apokalyptischen Getöse genussvoll eine Zigarre raucht.

Despoten haben wenig Humor

Doch Despoten haben wenig Humor. Über eines können sie gar nicht lachen: über sich selber. So ist der Film, den außer den Machern noch niemand gesehen hat, umgehend von der Korean Central News Agency verdammt worden. Dann reichte der nordkoreanische Botschafter eine Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein, dass „The Interview“ den Terrorismus fördere und ein „Akt des Krieges“ sei. Schließlich forderte Nordkoreas Präsident Obama auf, den Film zu stoppen. Woraufhin Sony, Eigentümer des Columbia-Studios, sich bereit fand, „aus kreativen Gründen“ einige Szenen zu ändern. Eine Sequenz soll etwa wegfallen, in der Kim Jong Un langsam das Gesicht schmilzt.

Der beste Diktatorenfilm stammt von Charlie Chaplin. In seiner 1940 herausgekommenen Komödie „Der große Diktator“ tanzt Adolf Hitler mit einer Weltkugel. Die wahren Dimensionen der Verbrechen passen in einen Film nicht hinein. Nach dem Zweiten Weltkrieg sagte Chaplin, dass er den „Großen Diktator“ nie gedreht hätte, wenn er gewusst hätte, was in Deutschland und Europa geschah.

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