Kultur : Notfalls ohne Leihgaben aus der Türkei Das war Pergamon: Schau eröffnet im September

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Scheitern wird sie nicht wegen fehlender Leihgaben aus der Türkei, die Pergamonausstellung in Berlin, die am 30. September 2011 auf der Museumsinsel eröffnet. Es gebe genügend Möglichkeiten, Lücken mit Fotos oder Gipsabgüssen zu füllen, erklärt Andreas Scholl, Direktor der Antikensammlung und Spiritus rector des Ausstellungsprojekts. Doch um das Verhältnis zu den türkischen Kollegen steht es derzeit nicht zum Besten. Auf das offizielle Leihgaben-Ersuchen habe man bis heute keine Antwort bekommen, sagt Scholl. Dabei verliefen die Gespräche im vergangenen Sommer in Ankara durchaus freundlich, wenn auch reserviert. Ein Zusammenhang mit dem gerade wieder aktuell gewordenen Streit um die Rückgabe der Sphinx von Hattuscha wurde zwar nie ausgesprochen, war aber unterschwellig spürbar. Noch hofft Scholl auf ein kurzfristiges Einlenken der türkischen Museen. Für die auf ein Jahr Laufzeit kalkulierte Ausstellung werden 1,8 Millionen Besucher erwartet. Die Tickets sind ab heute erhältlich unter www.pergamon-panorama.de und an den Kassen der Museen.

Nie zuvor und auch nie wieder: Für das Ausstellungsvorhaben, das die Grabungsgeschichte in Pergamon ebenso präsentieren möchte wie die antike Stadttopografie und ihre Rezeption in Deutschland, ist es ein glücklicher, einmaliger Moment. Dass es noch nie eine Ausstellung zu den Funden gab, mag angesichts der Popularität des Pergamonmuseums verwundern, ist aber aus der verwickelten Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts zu erklären. So kann man nun 450 zum größten Teil noch nie gesehene Objekte aus dem Depot der Antikensammlung zeigen. Zum Teil tragen die Objekte, die erst jetzt restauriert werden, noch den provisorischen Zementsockel, mit dem sie eingelagert wurden. Nun engagiert sich ein vom Bundeswissenschaftsministerium gefördertes „Skulpturennetzwerk“ der FU um die Erfassung, Publikation und Erforschung der so stiefmütterlich behandelten Spätantiken. Es wird zur Ausstellung erste Forschungsergebnisse, eine 3-D-Rekonstruktion und eine Wissenschafts-Applikation präsentieren.

Auf der Museumsinsel profitiert man davon, dass der Nordflügel des Pergamonmuseums bis zum Umbaubeginn im Herbst 2012 leer steht – die Antikensammlung, die seit Ende Februar auch ihre Griechenland-Abteilung im Alten Museum präsentiert, war extra vorzeitig ausgezogen, um Raum für Großausstellungen zu machen. Spektakulärstes Exponat soll ein 360-Grad-Panorama sein, das im Ehrenhof des Museums aufgestellt wird und auf hundert Metern Topografie und Architektur, Alltag und Kunst im damaligen Pergamon rekonstruieren will. Der Berliner Künstler Yadegar Asisi, der ähnliche Panoramen schon in Leipzig und Dresden betreibt und mit spürbarer Leidenschaft für die populäre Vermittlung der Antike wirbt, arbeitet seit 2009 an dem Großprojekt. Christina Tilmann

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