Kultur : Nothelfer

Kulturstiftungen retten Kunst vor dem Verfall

Eva Kalwa

In Badekappen oder Dichtungsringen sorgen sogenannte Elastomere für Elastizität. Das Problem dieser Kunststoffe: Ihre hohe Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoff, Licht und Wärme. Eine alte, eingetrocknete Badekappe ist leicht zu ersetzen, Kunstobjekte und Kulturgüter mit Elastomeranteilen nicht. Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum nimmt sich dieses Problems nun an, in einem der 26 Projekte, die gemeinsam von der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder gefördert werden. Es ist die erste größere Kooperation der Stiftungen, die allerdings vollständig vom Bund finanziert wird: mit sieben Millionen Euro für fünf Jahre. „Und wir liefern unser Know-how dazu“, so Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Länderstiftung. 121 deutsche Museen, Archive und Bibliotheken haben sich beim „KUR“ genannten „Programm zur Konservierung und Restaurierung von mobilem Kulturgut“ um eine Teilfinanzierung bemüht, am gestrigen Mittwoch wurden die ausgewählten Projekte in Berlin vorgestellt.

Neben den Elastomeren stehen etliche weitere Materialien von kulturgeschichtlich bedeutsamen Objekten im Zentrum künftiger Restaurierungsbemühungen. So geht es etwa um 15 umbrische Tafelbilder (um 1500) aus dem Lindenau-Museum Altenburg, die wegen der starken Schädigung ihres hölzernen Malgrundes seit Jahrzehnten nicht mehr ausgestellt werden können. Die Klassikstiftung Weimar und das Händel-Haus Halle wollen historische Instrumente so restaurieren, dass sie wieder spielbar werden. Und die Berliner Staatsbibliothek will Zeitungspapier sanieren, das unter Säurefraß leidet, um die Seiten danach digital oder mittels Mikrofilm archivieren zu können. „Unsere Generation hat gegenüber den folgenden treuhänderische Funktion. Die Kulturträger müssen endlich verstehen, wie wichtig das Thema Restaurierung ist“, so Isabel Pfeiffer-Poensgen. Laut einer Umfrage des Deutschen Museumsbundes unter 564 Museen von 2003 sind 70 Prozent der Bestände restaurierungsbedürftig.Eva Kalwa

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