Kultur : Oberflächenreize

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Katrin Wittneven freut sich an tanzenden Formen in Berliner Galerien Zwischen all den sehnsüchtig in die Weite blickenden Knaben, den mit lockerem Pinselstrich hingeworfenen Barbusigen und den riesigen Nahaufnahmen von Alltäglichem in der jungen deutschen Malerei kann der Eindruck entstehen, es gäbe nur noch neue Realisten. Doch natürlich hält die ewige Geschichte von Pinsel und Leinwand weit mehr bereit. Die 1967 in Kiel geborene WahlLondonerin Tomma Abts etwa malt in kleinen Formaten. Ein wenig wirken die in gebrochenen Brau- und Grüntönen gehaltenen Bilder, die zurzeit in der Galerie Giti Nourbakhsch zu sehen sind (bis 26. Juni, Rosenthaler Straße 72), wie Malerei der Fünfzigerjahre. Geometrische Formen, die sich überlagern, und in ihrer Präzision an Mosaike oder Intarsienarbeiten erinnern (um 10000 Euro). Schicht um Schicht kann das Auge die Farbebenen zurückverfolgen, dabei den in sich gedrehten Dreiecken und Zacken folgen. Denn das letztlich schaffen die Gemälde: die Übersetzung von Bewegung in Fläche.

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Den maximalen Gegensatz zu dieser geradezu feinstofflichen Malerei liefert das Berlindebüt von Markus Weggenmann bei Fahnemann Projekte (bis 19. Juni, Gipsstraße 14). Fast spiegeln kann man sich in den glatten Gemälden, dem leuchtenden Orange, dem Himmelblau oder Metallic-Gold. Der 1953 in Singen geboren e Züricher arbeitet mit Autolacken auf Aluminium. Der Blick perlt kurz ab an den industriell-makellosen Oberflächen und bleibt dann doch hängen an den frischen Farbkontrasten und freien Kompositionen, bei denen Linien und Flächen die charmante Beiläufigkeit von überdimensionalen Telefonzeichnungen haben (2600–19000 Euro). Keine Frage: Die Abstraktion lebt!

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