Oberhausener Kurzfilmtage : Großer Preis geht nach Russland

Der Große Preis der Stadt Oberhausen bei den 53. Internationalen Kurzfilmtagen geht an den Filmemacher Pavel Medvedev für seinen Beitrag "Auf dem dritten Planeten von der Sonne aus".

Oberhausen - Der 1963 im russischen Orenburg geborene Regisseur, der in Petersburg Film studiert hat, schildert die Zerstörungen Nordrusslands durch Tests von Wasserstoffbomben. Medvedev erweitert laut Jury-Urteil "die Grenzen des kreativen Dokumentarfilms durch die eindrucksvolle Erkundung der Umweltzerstörung" und schildert die Wiedergeburt einer Gemeinde im Norden des Landes. Er darf sich über ein Preisgeld von 7500 Euro freuen.

Zwei Hauptpreise von je 3500 Euro vergab die internationale Jury an Clare Langan aus Irland für "Metamorphosis" als "visuell bestechende experimentelle Arbeit" über das Phänomen der Zeitlosigkeit im Film sowie an den vietnamesischen Filmregisseur Ha Phong Nguyen. Er habe mit "Die Terrasse" im "eleganten Stil" und anrührend den Generationenkonflikt zwischen Vater und Sohn geschildert.

Babelsberg-Absolvent gewinnt Deutschen Wettbewerb

Im Deutschen Wettbewerb ging der erste Preis in Höhe von 5000 Euro zu gleichen Teilen an drei Filme, "die eine eskalierte gesellschaftliche Wirklichkeit unterschiedlich zeigen", urteilte die Jury. Norman Richter, 1979 geborener Absolvent der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg, erhielt die Auszeichnung für die deutsch- iranische Produktion "Vali Asr - Juli 2006" als filmisches Essay über Teherans Hauptstraße. Die in Kabul geborene Berlinerin Jeanette Gaussi wurde für "Drei Erinnerungen" geehrt und Astrid Rieger aus Offenbach bekam den Preis für "Mammal" als Schilderung einer engen Mutter-Sohn-Beziehung.

Der 3sat-Förderpreis ging an "Hit the Floor" von Kays Khalil, der dem Schicksal eines versehentlich als vermeintlicher Terrorist erschossenen Londoners filmisch nachgegangen ist. Der ARTE-Preis (2500 Euro) für einen europäischen Kurzfilm ging an die Familiengeschichte "Dad" des Briten Daniel Mulloy. Die Jury des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten erkannte ihren Preis von 5000 Euro dem Video "Kapitalismus: Sklaverei" des 1933 geborenen US- Regisseurs Ken Jacobs zu, der sich mit der früheren Sklavenarbeit auf den Baumwollfeldern befasst. Jacobs lenke den Blick des Zuschauers "auf eine Gegenwart, in der die ökonomischen Gesetze der gezeigten historischen Szenen unverminderte Gültigkeit besitzen".

Bei den am 3. Mai in Oberhausen gestarteten 53. Internationalen Kurzfilmtagen konkurrierten 147 Produktionen aus aller Welt in vier Wettbewerben. Allein 64 Beiträge aus 37 Ländern traten in der internationalen Konkurrenz gegeneinander an. Im deutschen Wettbewerb waren 27 Produktionen zu sehen. Insgesamt waren für dieses Jahr fast 6500 Beiträge aus 93 Ländern in Oberhausen eingereicht worden. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben