Kultur : "Ode an Schroeder": Kinderzimmer

Ulrich Amling

Den Titel hat sie kurzfristig geändert: Statt "Ode an das Toy-Piano" tauft Margaret Leng Tan ihren Auftritt im Musikinstrumenten-Museum "Ode an Schroeder". Eine Hommage an den berühmtesten Toy-Pianisten der Welt, die Comicfigur aus der Peanuts-Welt von Charles M. Schulz. Unermüdlich hockt Schroeder über seinen Miniaturflügel gebeugt und übt Beethoven. Im Innern des Sperrholzkästchens schlagen kleine Plastikhämmer gegen Metallplatten. Es klingt nach dem Spielwerk einer alten Uhr oder der Türschelle eines Tante-Emma-Ladens. Mit diesem Klangspektrum und zwei Händen voller Töne den Klassiker-Gott versuchen - eine Sysiphos-Arbeit, der Leng Tan ihr Leben gewidmet hat. Über John Cage kam sie vom Steinway runter zum Schoenhut. Der weltbeste Hersteller von Spielzeugklavieren ist längst ihr Hauslieferant. Und Cage, der bereits 1948 das Toy-Piano aus dem Kinderzimmer in den Konzertsaal stellte, ist noch immer der Fixpunkt für die New Yorker Performerin. Neun weiße Tasten reichen aus für seine "Suite for Toy Piano", eine filigrane Kette aus fremden und doch seltsam vertrauten Klängen. Die im Publikum hockenden Kinder rutschen unruhig hin und her. Wenn Erwachsene sich über Spielzeug hermachen, wird es meist ernst - und niemand stört dann mehr als die wahren Eigentümer solcher Geräte. Wir müssen uns Sysiphos als glücklichen Menschen vorstellen. Aber ein Kind ist er nicht mehr.

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