Kultur : Ohne Ziel

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KUNST

Der Ort ist eine Entdeckung: Das ehemalige Kongresszentrum in Berlin-Tiergarten, dem Abriss geweiht, ist ein Schmuckstück der Sechzigerjahre, mit sechs- und achteckigen Räumen, einem imposanten Foyer und den Resten einer ambitionierten Kunst am Bau. Hier ein Festival für internationale junge Kunst zu veranstalten, zeugt von Harm Lux’ Gespür für die Wechselwirkungen zwischen Raum und Objekt – die Entscheidung, die Gruppenausstellung „seeyuatthepremierefair“ (Rauchstr. 22, bis 7.10. täglich 16.15 bis 21.15 Uhr) parallel zum Art Forum Berlin anzusiedeln, von dem Anspruch, in der international beachteten Riege mitzuspielen. Ob da, eingedenk des Kunstherbsts in Berlin, nicht doch die Augen größer waren als der Magen? Große Augen macht der Besucher zum Beispiel in Oliver Ross’ Rauminstallation: Der Hamburger schickt Farbe, das Herzblut der Künstler, in Schläuchen durch eine Höllenmaschine, ein ganzes Zimmer vollgerümpelt mit Apparaturen und Objekten. Halb Dieter Roth, halb Claes Oldenburg, und noch näher am Produktionsprozess – die Matratze des Künstlers liegt in der Ecke. Auch Lucie Renneboog hat sich beherzt eines ganzen Raums angenommen, ihn mit Klebeband zu einem knirschenden Labyrinth gemacht. Und Joep de Liefland erfreut im Hof mit einem „Porn-Video-Palace“. Ob das Bar-Element, das dem erschöpften Besucher ein Bier oder Hot Dogs offeriert, nun Teil oder Höhepunkt der Installation ist, mag umstritten sein. In diesem sympathischen Zwischenstadium des Unfertigen verbleiben viele Werke: Sie nehmen Aufstellung wie jene Gruppe, die sich in Clemens Wedemeyers Video zusammenfindet, um ein Kino zu stürmen, aber über das „Making Off“ der Dokumentation nie hinauskommt. Christina Tilmann

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