Kultur : Oper am Abgrund

Bei Privatleuten ein klarer Fall für die Schuldnerberatung.Bei Staatsbetrieben wie der Deutschen Oper ein Fall fürs Abgeordnetenhaus.Am Montag wird sich der Unterausschuß Theater des Haushaltsausschusses mit dem Problem beschäftigen.Eine Schließung des Hauses wegen Zahlungsunfähigkeit droht ihm allerdings nicht - da ist Friedrich besser dran als René Kollo.Die Deutsche Oper ist schließlich keine private GmbH, wie das Metropol-Theater, die Konkurs anmelden muß, wenn die Verantwortlichen nicht mit ihren Subventionen auskommen.Nein, die Deutsche Oper ist eine direkt dem Senat unterstellte Institution und damit vor dem Gesamtvollstrecker sicher.Eine Parallele zum unrühmlichen Untergang des Operettentheaters gibt es aber doch: In beiden Fällen ist im Hause des Kultursenators das Frühwarnsystem für Finanzkatastrophen mit Bedacht abgestellt worden, bis es schon fast zu spät war - in Sachen Deutsche Oper wird den Abgeordneten aber wohl nichts anderes übrigbleiben, als zähneknirschend die Brieftasche zu zücken.Schließlich kann Götz Friedrich nicht einfach die Zahlungen an sein Personal einstellen, die rund 85 Prozent seines Etats verschlingen.Weil Radunskis Behörde nicht aufgepaßt hat (oder die Gefahr nicht sehen wollte), kann der Intendant das Abgeordnetenhaus jetzt problemlos erpressen.Die Vorlage dazu aber hat ihm die Kulturverwaltung selber geliefert.Nicht nur, daß man dort seit Jahren die Defizitakkumulation tolerierte, anstatt auf einschneidende Maßnahmen zur langfristigen Etatkonsolidierung zu bestehen, man setzte auf höchster Ebene auch alles daran, die seit Wochen kursierenden Gerüchte über das Rekordminus nicht in die Öffentlichkeit dringen zu lassen.Nicht nur Götz Friedrich steckt in der Klemme - sondern vor allem jene Politiker, die allzulange ihre schützende Hand über den unübersehbar schlingernden Operndampfer gehalten haben.Aber zum Glück liegen da ja noch ein paar Metropol-Millionen auf der hohen Kante... F.H.

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