Kultur : Opern-Coop

Scala & Co.: Berlin rückt jetzt näher an Mailand

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Daniel Barenboim, der zum Ende dieser Saison die Leitung des Chicago Symphony Orchestra abgibt, wird – wie gemeldet – ständiger Gastdirigent an der Mailänder Scala. Der 63-jährige Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper wird in Mailand künftig pro Saison zwei Opernproduktionen und diverse Konzerte übernehmen. Die nächsten fünf Jahre sehen eine nachhaltige „künstlerische Kooperation“ zwischen beiden Theatern vor. Dabei gehe es, so die Intendanten Stéphane Lissner und Peter Mussbach am Montagabend in Berlin, weniger um Rationalisierungsmaßnahmen als um das „europäische Herz der Kunst“. Bis 2011 besteht dieses hauptsächlich aus einem neuen „Ring“ unter Barenboims Leitung (das Regieteam ist noch nicht spruchreif). „Rheingold“ und „Walküre“ werden bis 2010 an der Scala produziert (während der Renovierung der Lindenoper), „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ haben zu Ostern 2011 in Berlin Premiere. Der komplette Zyklus soll dann in beiden Städten gezeigt werden. Logistisch sei es ein Glück, so Barenboim, dass hier ein Stagione- und ein Repertoirebetrieb aufeinander träfen.

Zum Auftakt der Kooperation setzt Peter Mussbach diesen November Mozarts „Don Giovanni“ an der Scala in Szene. Ein Jahr später soll Barenboim zum 50. Todestag von Arturo Toscanini Verdis „Requiem“ dirigieren. Seine erste Mailänder Opernproduktion wird Wagners „Tristan“ in der Inszenierung von Patrice Chéreau sein, zur Inaugurazione 2007. Bereits im vergangenen Dezember hatte Barenboim an der Scala Beethovens Neunte dirigiert. Gerüchte, er könne die Nachfolge des 2005 im Streit geschiedenen Musikdirektors Riccardo Muti übernehmen, wies Lissner zurück: „Es gibt keinen Titel und keinen Vertrag.“ Neben Barenboim sollen u.a. Riccardo Chailly, Daniel Harding, John Eliot Gardiner und Simon Rattle im Graben des legendären Opernhauses stehen. Auf die Regie-Namen darf man weniger gespannt sein. Das Mailänder Publikum, so Lissner, pflege seit jeher ein „natürliches Verhältnis“ zur Szene. Trotzdem wird auch über entlegenere Stücke wie Prokofjews „Spieler“ nachgedacht. Am späten Abend trafen sich Barenboim, Mussbach und Lissner in Berlin mit Pierre Boulez. Das Ziel: ihre Verbrüderung mit einem Auftragswerk zu krönen – und den 81-Jährigen zu seiner ersten Oper zu überreden. Le.

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