Kultur : Opfer falscher Freunde

Christina Tilmann

Es war ein Kunstthriller, wie man ihn sich spannender nicht denken konnte: Das Gezerre um die kostbare Kunstsammlung, die der Arzt und Wohltäter Gustav Rau in Jahrzehnten zusammengetragen hatte, beschäftigte zuletzt Politiker, Stiftungsräte, Ärzte und mehr als 30 Anwälte. Dabei wollte der gebürtige Schwabe eigentlich nur Gutes tun und dem UNICEF Kinderhilfswerk die auf 255 bis 511 Millionen Euro geschätzte Sammlung vermachen. Der Schweizer Staat, auf dessen Territorium die mehr als 600 Werke gelagert waren, verhinderte die Ausfuhr seit 1998 mit Berufung auf Raus angebliche Geschäftsuntüchtigkeit. In den letzten Jahren konnte sich der schwerkranke Rau nur in einer Lagerhalle an der Schweizer Grenze seiner Sammlung freuen. Nun ist er kurz vor seinem 80. Geburtstag in der Nähe von Stuttgart gestorben.

Schönes zu sammeln und Gutes zu tun waren die beiden Leidenschaften des 1922 in Stuttgart geborenen Rau. Nach Verkauf des väterlichen Unternehmens hatte sich der studierte Mediziner als Arzt in Afrika niedergelassen und dort eine Krankenstation aufgebaut. Nur selten verließ er seine Station: Zumeist, um in Europa Kunst zu kaufen. Schnurrig genug konnte der Kunstliebhaber erzählen, wie es ihm gelang, renommierte Häuser bei der Versteigerung von Kunstwerken auszustechen, die er für sich ausersehen hatte. Wie erfolgreich er damit war, ahnte lange Zeit niemand: Die Bilder waren niemals öffentlich zu sehen. Erst eine Ausstellung, die nach Japan, Köln und München wanderte, machte 1999 mit Meisterwerken von Fra Angelico, El Greco, Paul Cezanne und Edvard Munch einen unbekannten Schatz bekannt - und dessen unbekannten Hüter.

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