Kultur : Paneuropäer

Zum Tod des Schriftstellers Peer Hultberg

Die Aufmerksamkeit, die er gerade erst mit seinem düsteren Familienroman „Eines Nachts“ (Jung und Jung, 2007) errang, galt einem Buch, das eigentlich lange vor seinem 1985 im Original erschienenen Hauptwerk „Requiem“ geschrieben war. Aber vielleicht gehörte das zu den Umwegen, die sein Leben so oft genommen hatte. Peer Hultberg, Jahrgang 1935, war Däne von Geburt, seinem Kopenhagener Studium nach war er Polonist mit Berufsstationen in Warschau, London und in Skopje, und eine Ausbildung am Zürcher C.-G.-Jung-Institut machte ihn schließlich zum Psychoanalytiker. Erst in Frankfurt am Main, seit 1986 dann in seiner Wahlheimat Hamburg. Vor allem aber war er Schriftsteller – mit einem Hang zu modernistischen Erzählweisen, die seinen Durchbruch beim Publikum sicher nicht begünstigten, deren Rang von der Kritik aber sehr wohl anerkannt wurde. 1993 erhielt er für „Die Stadt und die Welt“ (deutsch erst 2004) den Nordischen Literaturpreis, 2001 kam der Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg hinzu, 2004 der Große Preis der Dänischen Akademie.

„Die Stadt und die Welt“ besteht wie viele Hultberg-Bücher aus verbunden- unverbundenen Prosasplittern, 100 kleinen Kapiteln, deren Erzähler die Stadt selbst ist. Ein ähnliches, von Frédéric Chopins Kompositionsweise inspiriertes Prinzip prägt den Roman „Präludien“über die Kindheitsjahre des großen Musikers. Nirgends aber wird es sinnfälliger als in den 537 Szenen von „Requiem“: Schlaglichtern auf die Momente, in denen sich anonyme Menschenleben als einzigartig erweisen. Am Donnerstag ist Peer Hultberg mit 72 Jahren in Hamburg einer Krebserkrankung erlegen. dotz

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