Panorama : Doping fürs Volk

Überraschung: endlich ein Spielfilm, der das Thema Doping im Sport behandelt. Allerdings kommt der nicht aus Hollywood, China oder Jamaika, sondern aus einem Land, das sich sportlich zurückhält. Bei den letzten Olympischen Spielen durfte es auf Geheiß der Gastgeber nicht einmal unter seinem richtigen Namen antreten: Taiwan.

Helmut Merker

Der junge Regisseur Cheng Yu-Chieh schickt seine schöne Hauptdarstellerin Sandrine Pinna als Yang Yang ins Rennen, deren eurasische Schönheit alles in ihren Bann schlägt. Vor allem auch die bewegliche Handkamera, die ihr überallhin folgt, sie ständig in Großaufnahmen einfängt, nur kurz mal auf ihre Gesprächspartner und schnell zu ihr zurück schwenkt. Auch bei ihren Läufen bleibt sie näher an ihr dran als all ihre Rivalinnen. Das vermittelt mehr das Gefühl von Hektik als von Bewegung, so kann man kaum richtig erkennen, dass die 400-Meter-Stadionrunde Yang Yangs Disziplin ist. Ob Familie, Schule oder Training – immer steckt sie in bedrückender Enge, gewinnt nicht einmal im Sport das Gefühl von Freiheit. Ihrem ersten wichtigen Sieg folgt der Absturz: positive Dopingprobe. Und das, obwohl sie brav allen Ärzten immer die Liste der verbotenen Substanzen zeigt. Aber sie bekennt sich schuldig und verzichtet auf die B-Probe. Vielleicht, so ahnen wir, ahnt sie, dass ihre eifersüchtige Stiefschwester ihr was ins Trinkwasser geschmuggelt hat.

Enttäuschung: Wir sind in der Mitte des Films und in der klassischen Doping-Situation – keiner weiß was. Dann kommt ein Schnitt, und der Film kümmert sich nicht mehr darum, sondern schickt Yang Yang in eine neue Karriere mit erster Filmrolle – als eurasisches Mädchen.

13. 2., 22.30 Uhr (Cubix 7)

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