Pariser Antiquitätenmesse : Altes zieht an

Die Pariser Messe „Biennale“ für Antiquitäten findet trotz ihres Namens alljährlich statt. Im Grand Palais vereint sie Kunsthandwerk, Möbel und Malerei.

Olga Grimm Weissert
Genre total: Édouard Richters Bild Gemälde „Le marchand d’étoffes“. Foto: Biennale
Genre total: Édouard Richters Bild Gemälde „Le marchand d’étoffes“.Foto: Biennale

Tradition und Titel werden in Frankreich noch ernst genommen. Das ergibt gelegentlich kuriose Resultate wie die „La Biennale Paris“ betitelte Antiquitätenmesse, die trotz ihres Namens im Jahresrhythmus stattfindet. Laut dem Antiquitätenhändlerverband ist der Name „Biennale“ eine eingetragene Marke und soll deshalb bleiben. Ebenso wie das Grand Palais als Veranstaltungsort. Auch die Daten der Messe sind ungewöhnlich: Vernissage für geladene Gäste ist am 10. September, das Galadinner mit rund 1500 Gästen findet aber bereits am Abend zuvor statt. Die potenziell besten Kunden aus aller Welt sind an diesem Abend präsent.

Diese People-Veranstaltung gilt auch als Test für den Erfolg der Messe. Die Zahl der Aussteller beläuft sich in diesem Jahr auf 93, von denen ein Drittel aus dem Ausland anreist. Die Kunsthandlung Roebbig aus München ist die einzige deutsche Galerie und tritt mit erlesenem Porzellan und Möbeln aus dem 18. wie 19. Jahrhundert an. Benjamin Steinitz, François Léage und die Galerie Perrin kommen aus Paris und vertreten auf der Messe das früher so begehrte Segment der Möbel und des Kunsthandwerks dieser Epoche.

Mit Art déco-Möbeln und Objets d’Art beteiligt sich die Pariser Galerie Marcilhac, Design der dreißiger bis fünfziger Jahre auf Topniveau garantiert die Galerie Jacques La coste, Francois Laanour zeigt in ihrer Galerie Downtown Objekte von Charlotte Perriand oder Jean Prouvé. Mullany aus London bringt Skulpturen vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert mit und die Pariser Galerie Sismann ihre sorgfältig recherchierten Objekte von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert.

Christopher Forbes ist ehrenamtlicher Präsident der Messe

Claire und Giovanni Sarti bieten das Sujet einer Christi Himmelfahrt des Florentiner Malers Neri si Bicci aus dem 15. Jahrhundert (200 000 Euro) und eine Kommode des bedeutendsten italienischen Ebenisten Petro Piffetti (900 000 Euro) an. Der Präsident des Antiquitätenverbandes und Leiter der Biennale, der 46-jährige Mathias Ary Jan, hat als Experte für Malerei des 19. Jahrhunderts das Bild „Le marchand d’étoffes“ von Edouard Richter dabei, während die Pariser Galerie Tamenaga stolz auf das Pastell „Eve“ (1909) von Odilon Redon ist. Die Brüsseler Boon Art Gallery hat von René Magritte zwei Werke im Gepäck: „L’Oracle“ von 1931 und „Les perfections célestes“. Die Tribal-Art-Galeristen Yann Ferrandin und Anthony Meyer vertreten auch in diesem Jahr dieses expandierende Sammelgebiet.

Um die Anziehungskraft der Biennale zu stärken, entwickelten Mathias Ary Jan und der vorjährige Leiter der Messe, Do- minique Chevalier, eine kluge Strategie: Sie engagierten den amerikanischen Milliardär Christopher Forbes, Eigentümer und Vizepräsident der gleichnamigen Verlagsgruppe, als ehrenamtlichen Präsidenten. Der frankophile Geschäftsmann und Sammler sensibilisierte im Vorfeld bedeutende Gleichgesinnte aus den USA für die Messe. Forbes animierte seinerseits die Messechefs, mit ihm nach Indonesien zu einer Konferenz zu reisen, um dort vermögende Indonesier für Paris zu begeistern. In seiner Funktion als Präsident der „American Friends of the Louvre“ bringt Forbes überdies diese Mäzene mit der Biennale in Verbindung. Er selbst sammelt Malerei des 19. Jahrhundert und verfügt über die größte private Kollektion von Fabergé-Eiern nach dem Kreml.

La Biennale Paris, Grand Palais, 11.-17. 9.

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