PAUKEN & Trompeten : Ach, ans Klavier!

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Nicht Weihnachten, sondern der Frühsommer ist die Zeit für Besinnung. Wer jetzt nicht seinen Schreibtisch aufräumt und die Sinne öffnet für die „Bildung einer unvorhandenen Welt“ (Richard Wagner), schafft das nicht mehr, wenn die Hitze erst eingeschlagen hat. Das passende musikalische Genre ist gar nicht so leicht zu benennen. Es kann nicht das Streichquartett sein mit seiner intellektuellen Pose des „Seht her, so sprechen vier vernünftige Leute“, auch nicht das Lied mit seiner Verwurzelung im ewigen Frühling der Gefühle. Auch nicht die Symphonie oder die Oper: viel zu viel Repräsentation und Extraversion.

Nein, nach innen geht der Weg, und so soll es von allem etwas sein, vom Orchesterkonzert die Farbe, vom Liederabend die Empfindung, vom Streichquartett die Freude am Spiel der Stimmen und Meinungen – Klaviermusik, das ist die Lösung. Wenig Ablenkung fürs Auge, große Ideen bei reduzierten Möglichkeiten. Von allen Klavierstücken sind wiederum die Sonaten die besten, als tönende Versuchsanordnungen, in deren Hintergrund es stets zu flüstern scheint: „Denken wir diese Idee einmal für Sie durch“.

In den nächsten Tagen sind dabei Kompositionen zu hören, die auch das Instrument selbst im Maximum seiner Möglichkeiten zeigen. Igor Levit, ein Genie am Klavier, spielt heute nachmittag in der Trinitatiskirche Finsterwalde zwei Beethoven-Sonaten. David Kadouch wendet sich am Dienstag im Konzerthaus dem spätromantisch anmutenden Sonatenwerk des selten gespielten russischen Komponisten Nikolaus Medtner zu. Daniel Barenboim lädt ebenfalls am Dienstag ins Schillertheater ein, zu einem Abend mit Klavierwerken von Franz Schubert, darunter die Sonate D 960 mit ihrem wunderbar entrückten Beginn. Und am Mittwoch schenkt uns das Musikinstrumentenmuseum mit einem Nachmittagskonzert von Shinmyung Rho die große Sonate h-moll von Franz Liszt: Der Eintritt ist nämlich frei, und wer sich vom zweiten Thema dieser Sonate, das großen Atem und Erhabenheit bietet, nicht zu Neuem inspirieren lässt, dem ist vielleicht gar nicht zu helfen.

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