PAUKEN & Trompeten : Aus der Glass-Fabrik

Jörg Königsdorf über einen treuen Interpreten.

Jörg Königsdorf

Für die meisten ist er immer noch der Dirigent, der Philip Glass in Deutschland durchgesetzt hat: Mit den Stuttgarter Aufführungen von „Satyagraha“ und „Akhnaten“ etablierte Dennis Russell Davies Anfang der 80er Jahre seinen bis dahin hauptsächlich durch Filmmusik bekannten Landsmann als Opernkomponisten und machte die Minimal Music staatstheatertauglich. Dass damit schon der qualitative Höhepunkt von Glass’ Œuvre erreicht war, konnte damals keiner ahnen: Zwar komponiert der Amerikaner immer noch am laufenden Meter, aber inzwischen finden seine Uraufführungen eher am Stadt- als am Staatstheater statt: Just an diesem Sonntagabend wird Glass’ neuestes Opus über den Astronomen Johannes Kepler in Linz aus der Taufe gehoben. Am Pult natürlich Russell Davies, der seinem Leib- und Magenkomponisten eisern die Treue hält. Und das nicht nur in der Oper: Basel, wo Russell Davies seit diesem Monat neuer Chefdirigent ist, macht sich schon auf die Schweizer Erstaufführung der fünften Glass-Sinfonie gefasst, und ab Dienstag kann man den Mitschnitt einer Uraufführung der Siebten mit dem Linzer Bruckner-Orchester unter Davies’ Leitung bei iTunes herunterladen.

Am gleichen Tag ist der 65-Jährige auch live in Sachen Phil Glass aktiv, als Pianist – nachdem er am Montag mit Glass in der American Academy diskutiert hat. Mit Duo-Partnerin Maki Namekawa präsentiert Davies im Radialsystem „Four Movements for two pianos“. Die beiden haben versprochen, auch noch Musik von Strawinsky, Steve Reich und der Chinesin Chen Yi zu spielen.

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