PAUKEN & Trompeten : Bachblüten und Komponistenfliegen

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Ah, das wird schwer. Ein so heißes Rennen zwischen zwei vortrefflichen Veranstaltungen wie am morgigen Montagabend gibt es selten. Und dann noch beide unter einem Dach, nämlich im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, wo die Akademie für Alte Musik mit der Sopranistin Annette Dasch und dem Bassisten Daniel Schmutzhard in den Großen Saal des Hauses einlädt und zeitgleich, es ist eigentlich unerhört, der Pianist Sebastian Berweck und Arno Lücker als Moderator vor das Publikum im Werner-Otto-Saal treten. Soll man sich teilen? Irgendwie die Ohren abtrennen? Zur Pause Treppen steigen und sich in den je anderen Saal schmuggeln? Jedenfalls duldet Daschs bestrickend schöne Stimme, dazu das Repertoire aus ganz Bachischen Kantaten, aus Bach-Sohn- und Bach-Vater-Stücken in Bearbeitungen durch Wolfgang Amadeus Mozart keinen Widerstand. Mit Lust und Leichtigkeit, das ist schon jetzt abzusehen, werden Dasch und Schmutzhard ihre Melodien tauschen, im Schlussduett der Dialog-Kantate BWV 49 zum Beispiel, wo der Sopran den „Herzlich froh“-Choral singt, während der Bass von der Zuverlässigkeit Jesu spricht.

Andererseits am selben Abend der Auftritt von Arno Lücker, Konzerthausdramaturg und einer jener drei Autoren, die unter http://blogs.nmz.de/badblog Wichtiges, Unwichtiges und Freches über Neue Musik zum Besten geben. Im Moment zeigt die Website die schönsten Bilder zum Thema „Komponisten in Anzügen, mit Fliegen, Schals oder Zigaretten“. Sebastian Berweck also wird György Ligetis schier nicht handhabbare „Six Études“ auf dem Klavier spielen (versetzte Melodien, blockierte Tasten, mehrere Geschwindigkeiten gleichzeitig), all das selbstverständlich mit größter Souveränität. Lücker wird mit ihm darüber plaudern, und danach sind die Etüden ein zweites Mal zu hören. „Aha-Effekte für Ohren und Geist“ verspricht die Reihe „2 x hören“, die das Konzerthaus mit diesem Abend nun von Neuem auflegt.

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