PAUKEN & Trompeten : Dankbare Ohren

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Man wundert sich, wie hartleibig die Berliner sind, wenn es um das Annehmen von Geschenken geht. Die Stadt Berlin fördert jeden Opernbesuch mit rund 150 Euro – pro Besucher und Abend. Niemand könnte sich das Miteinander von kostbarer Sängerstimme über Echt-Orchesterklang, eigens angefertigten Schuhen und Kostümen, Heizkosten, Samtsitzen und Programmhefttexten leisten, wenn es keine Unterstützung gäbe. All das sollte man sich von Zeit zu Zeit gönnen. Glücklicherweise sind auch in der kommenden Woche Opernerlebnisse garantiert, die ihresgleichen suchen. An der Deutschen Oper wird am Freitag die Sicht des 2010 verstorbenen Christoph Schlingensief auf die Geschichte der heiligen Johanna zu hören und zu sehen sein, als „eine groteske Liturgie und Freak-Versammlung, ein Heils-Pandämonium“, wie Gerhard R. Koch seinerzeit über die Premiere schrieb. Schlingensiefs Einrichtung der „Szenen aus dem Leben der Johanna“ von Walter Braunfels hat sich als einzige Inszenierung aus den Zeiten der Intendanz von Kirsten Harms erhalten.

Oder wie wäre es mit der „American Lulu“ an der Komischen Oper, am nächsten Samstag? In deren Mittelpunkt steht ebenfalls eine Frau, gewissermaßen auf beiden Seiten der Partitur: Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth hat fast fünf Jahre lang an ihrer Neuversion von Alban Bergs 1937 uraufgeführter „Lulu“ gearbeitet. Neuwirth hat die Erzählfolge umgestellt und Schnitte angebracht, die an der Komischen Oper mit Videoprojektionen überspielt werden, sie hat den ersten und zweiten Akt uminstrumentiert für Jazzorchester und Kinoorgel und den dritten, unvollendeten Akt neu geschrieben und vertont. Nun führt der Weg Lulu aus der „deutschen Großstadt, Paris und London, in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts“ (so das Original) als Edelprostituierte in das Amerika der 1950er bis 1970er Jahre.

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