PAUKEN & Trompeten : Du hast das Zeug dazu!

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Aus Kindern werden Leute, und zwar ganz allmählich. Es kommt schließlich nicht jeder so husch, husch in die Profilaufbahn gesprungen wie der österreichische Pianist Ingolf Wunder, der seinen Liszt spielen konnte, noch bevor er mit 14 Jahren die erste Klavierstunde bekam. Dass Ingolf Wunder die Wiener Universität nach wenigen Jahren Konzertfach-Studium ohne Abschluss verließ, hat seinem Erfolg nicht geschadet: Am Montag gibt er im Konzerthaus einen Klavierabend mit Werken von Liszt, Chopin und Mozart. Dabei wird insbesondere Mozarts Sonate Nr. 13 in B-Dur erweisen, wie Wunder damit umgeht, wenn das Virtuositätsgeklingel aussetzt und nur noch wenige Töne ins rechte Licht gerückt werden müssen.

Ebenfalls hochbegabte Aspiranten sind am Mittwochnachmittag im Galakutschen-Saal der Eisler-Hochschule zu hören. Christian Tetzlaff, einer der besten deutschen Geiger überhaupt, nimmt sich der Studenten im Fach Violine an, und zwar in einem Meisterkurs, einer jener mythischen Veranstaltungen, in denen die musikalische Jugend mit dem Zauberstab der Immerinspirierten berührt wird: „Nun geh hinaus in die Welt, du hast das Zeug dazu. Den Namen des Dozenten darfst du von nun an in deine Künstlerbiografie aufnehmen“, steht in etwa über dem Teilnahmeschein zu einem Meisterkurs.

Tags darauf tritt Tetzlaff in der Philharmonie auf, wo er mit seiner Schwester, der Cellistin Tanja Tetzlaff, Brahms’ wunderbares Doppelkonzert spielt. Die Staatskapelle unter Michael Gielen begleitet die beiden und lässt sich danach auf das Experiment einer Montage von Schubert- und Webern-Stücken ein, die Gielen selbst ersonnen hat.

Eine der schönsten, folgerichtigsten Karrieren haben unterdessen die fünf Sänger des fabelhaften Ensembles Amarcord hingelegt, die am heutigen Sonntag im Potsdamer Nikolaisaal Lieder zum Thema „Total verknallt“, pardon „Rastlose Liebe“ singen. Wie der korrekte Titel des Konzerts verrät, handelt es sich um ein Repertoire, das nur dem gefühlsverwehten 19. Jahrhundert entstammen kann. Die ehemaligen Thomaner, die nun Stücke von Schumann, Mendelssohn und deren weniger bekannten Zeitgenossen singen, fanden 1992 zu einer A-cappella- Gruppe zusammen, die in Sachen Intonation, Brillanz und musikalische Gewitztheit noch immer ihresgleichen sucht.

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