PAUKEN & Trompeten : Faust for free

Jörg Königsdorf freut sich über eine Oper zum Nulltarif

Jörg Königsdorf

Um gleich mit einem vollen Haus in die Saison zu starten, hat die Staatsoper diesmal einen attraktiven Köder ausgelegt. Zur „Nacht der offenen Tür“, mit der das Haus Unter den Linden am Samstag offiziell die Spielzeit einläutet (die „Freischütz“-Vorstellung am Abend zuvor wird offenbar nur als Aufwärmer verstanden), gibt es nicht nur die üblichen Kleindarbietungen von Ensemblemitgliedern, Imbissangebote und Kurzführungen rund um den ramponierten Musentempel. Nein, wer will und noch eine der vor Ort ausgegebenen Karten ergattert, darf sogar umsonst in die Abendvorstellung von Faustus, the last night. Womit der von beckettscher Lethargie geprägte Anderthalbstünder des Franzosen Pascal Dusapin in suggestiven Bühnenbildern der norwegischen Homo-Mahnmal-Künstler Elmgreen und Dragset endlich mal vor vollem Haus stattfindet und Intendant Peter Mussbach sich auch noch auf die Fahnen heften kann, etwas für die Verbreitung Neuer Musik (und seiner eigenen Inszenierung) zu tun. Auszahlen dürfte sich die Aktion für die Lindenoper allemal: Denn abgesehen davon, dass solche Gesten immer gut ankommen und die bisherigen Aufführungen, wie oft bei zeitgenössischen Opern, vor ziemlich kümmerlich gefüllten Rängen stattfanden, wirbt die Veranstaltung auch für die nächste Dusapin-Produktion des Hauses, Sasha Waltz’ Choreografie auf der Grundlage seiner erfolgreichsten Oper Medeamaterial, die am 16. September folgt. Der Gratisabend ist da gut geeignet, Skeptikern die Scheu vor dieser sehr französischen – will heißen: nicht besonders dramatischen, aber doch immer geschmackvollen – Musik zu nehmen.

Ohnehin legt die Staatsoper in Sachen zeitgenössischer Musik im September mächtig vor: Die Dusapin-Produktionen und die Premiere von Hans Werner Henzes neuer „Konzertoper“ Phaedra am 6. September addieren sich zu einem Minifestival zeitgenössischen Musiktheaters, wie es die Deutsche Oper vor zwei Jahren zum Spielzeitbeginn veranstaltete. Und wer sich Dusapins Faust-Version lieber ganz in Ruhe und ohne den Schnäppchenjäger-Trubel anschauen will, hat dazu am 13. September Gelegenheit. Dann aber gegen Geld, versteht sich.

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