PAUKEN & Trompeten : Hopp Schwyz!

Jörg Königsdorf

Glückliches Basel! Selbst aus Berliner Perspektive kann man neidisch werden, wenn man sieht, was die 200 000-Einwohner-Stadt gleich hinter der Schweizer Grenze sich so alles an Kultur leistet. Gerade haben sie dort dem Theater eine satte Subventionserhöhung gewährt, sicher auch als Belohnung für die Wahl zum „Opernhaus des Jahres“. Und auch die jüngste Basler Produktion, Francesco Cavallis Nymphenoper „La Calisto“ in der Regie von Jan Bosse, hätte man am liebsten sofort eingesteckt und mit nach Berlin genommen. Allein, nur um hier einfach wieder einmal daran zu erinnern, wie lebendig Musiktheater sein kann.

Was das Geheimnis des Basler Erfolgs ist? Nun, sicher spielt auch eine Rolle, dass die Institutionen der Stadt hier unverkrampfter zusammenarbeiten als anderswo – auch die „Calisto“ ist eine Zusammenarbeit mit der Schola Cantorum Basiliensis, der legendären Basler Alte-Musik-Hochschule. Und die „Ars moriendi“-Produktion, die das koproduzierende HAU 1 von Donnerstag bis Sonntag zeigt, ist Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und der freien Basler Theatertruppe Capriconnection. Würdig gerahmt von Henry Purcells „Funeral Music for Queen Mary“ wird eine Auseinandersetzung mit dem Tod anhand der Thesen des großen französischen Soziologen Jean Baudrillard versprochen.

Das Basel-Lob soll natürlich nicht bedeuten, dass nicht auch hier gutes Musiktheater möglich ist: Die Opernaufführungen der Potsdamer Musikfestspiele etwa sind eine ziemlich sichere Bank. Mit Carl Heinrich Grauns „Montezuma“ setzen die Festspiele von Mittwoch bis Sonntag ihre mit Grauns „Orpheus“ und der „Argenore“ der Friedrich-Schwester Wilhelmine sehr erfolgreich begonnene Erkundungsreise ins Berliner Opernleben des 18. Jahrhunderts fort.

Am Pult der Kammerakademie Potsdam steht mit dem quirligen Sergio Azzolini ein Dirigent, der die Kunst versteht, selbst zweitklassige Musik erstklassig klingen zu lassen. Und anschließend kann man die Produktion ja mal nach Basel ausleihen.

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