PAUKEN & Trompeten : Mitten im Leben

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Es stimmt heiter, dass die Verfallserscheinungen, die dem Konzertwesen seit seinen historischen Anfängen nachgesagt werden, das positive Image der Kunstmusik nicht tangieren können. Sicher, Klassik ist nicht immer das Mittel der Wahl. Es gibt passendere Auftaktveranstaltungen für eine Boxweltmeisterschaft als ein zwei Stunden langes Symphoniekonzert, bessere Vorgruppen für eine Death-Metal-Band als ein Streichquartett. Das wäre es aber auch schon, abgesehen davon reißt man sich um klassische Musik: Klassik ist teuer, Klassik ist chichi, Klassik bildet Leistung ab. Umgekehrt geht aber auch das Konzertwesen gern auf jene zu, die ihm bislang nur von ferne zuwinken, immerhin sind ungefähr 0,3 Prozent der oft geäußerten Vorwürfe nicht ganz unberechtigt, zumal die Diagnose einer gewissen Abkopplung von den Belangen und Wünschen des normalen Lebens.

Diese Woche lässt sich dieser Vorgang wieder herrlich klar beobachten: Direkt am technischen Puls der Zeit findet am Dienstag im Volkswagen Automobil Forum ein moderiertes Konzert mit dem Kammerensemble Neuer Musik statt, bei dem die handwerklich-technisch-ästhetische Durchdachtheit der Kompositionen von Brian Ferneyhough oder Iannis Xenakis jener der Luxuskarossen, die vor und hinter den Schaufenstern vorgeführt werden, gewiss in nichts nachstehen wird. Einmal mehr begibt sich das Ensemble mit diesem Konzert hinaus aus der viel zu kleinen Nische am Konzertmarkt, in die sich die sogenannte Neue Musik hineingeparkt hat.

Am Freitag bittet unterdessen das Leonardo Royal Hotel in süffiger Vorfreude auf Rossinis „Tancredi“ an der Deutschen Oper zum „Operngespräch“ mit dem Dirigenten Alberto Zedda. Der neuartige Vorstoß aus dem Hotelgewerbe ins Musiktheaterwesen wird eingebettet in das schöne Angebot von Diner mit Getränken, das im Eintrittspreis enthalten ist.

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