PAUKEN & Trompeten : Qualen einer Nonne

Jörg Königsdorf über einen wackeren Tonsetzer

Jörg Königsdorf

Das Lob, das Goethe Carl Friedrich Zelter spendete, war vermutlich vernichtender als jede Kritik. Als „grundwackere und treffliche Natur“ charakterisierte der Dichter seinen langjährigen Freund und musikalischen Berater – mithin als ehrliche Haut und redlichen Handwerker, nicht aber als großen Komponisten. Tatsächlich war Zelter lange das Paradebeispiel eines Kleinmeisters. Nicht nur, weil er zur gleichen Zeit lebte wie die Wiener Klassiker, sondern weil sich seine etwas behagliche Vertonung des „Erlkönig“ gut gegen die Version Schuberts ausspielen ließ. Was natürlich ungerecht ist, denn auch wenn der gelernte Maurermeister und langjährige Leiter der Berliner Singakademie vielleicht kein Genie war, sind seine Werke gerade in ihrer ambivalenten Stellung zwischen Klassik und Romantik interessant.

Gerade Übergangskomponisten wie Zelter profitieren deshalb auch besonders von den Pointierungen und rhetorischen Verdeutlichungen der historischen Aufführungspraxis, und der 250. Geburtstag in diesem Jahr ist ein guter Anlass, Zelters Musik wieder einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. In der Verantwortung sieht sich da vor allem die Sing-Akademie, die ihrem Ex-Chef jetzt zu Himmelfahrt ein kleines Festival ausgerichtet hat. Die unbekannte Kantate „Serafina“ auf einen Text von Wieland, der die Seelenqualen einer verliebten Nonne ausmalt, steht am Donnerstag in der Gethsemane-Kirche im Zentrum eines Programms, das außerdem noch Fragmente eines zelterschen Himmelfahrtsoratoriums und Werke von Bach und Telemann präsentiert.

Am Freitag gibt es dann Zelter rund um die Uhr: Stadtführungen (Anmeldung unter 030/ 209 128 30), Vorträge und Workshops, sowie abends in der Villa Elisabeth in der Invalidenstraße zwei Konzerte, die Zelters wichtigstem Schaffensbereich gewidmet sind: Um 20 Uhr singt der ausgezeichnete Tenor Hans-Jörg Mammel Goethe-Lieder, um 22 Uhr Lieder auf Texte von Schiller, Herder und anderen.

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