PAUKEN & Trompeten : Sehnsucht nach Beethoven

Jörg Königsdorf über den Traum der Akademisten

Diese Woche hätten die Mitglieder der Akademie für Alte Musik guten Grund gehabt, auf das Freiburger Barockorchester neidisch zu sein. Nicht nur, dass die Konkurrenten aus dem Badischen bei René Jacobs’ Staatsopern-Produktion, Haydns „Orlando Paladino“, im Graben sitzen – dann spielen sie in ihrem Abokonzert in der Philharmonie auch noch die Musik, von der die Berliner Akademisten schon lange träumen. Beethovens zweite Sinfonie steht am Donnerstag auf dem Programm – endlich! Denn während die Originalklang-Orchester in Frankreich und England sich längst bis ins späte 19. und zu Ravels „Bolero“ vorgewagt haben, ist für die deutschen Ensembles in der Regel bei Mozart und Haydn Schluss. Orchestermusik ab Beethoven ist für Ensembles, die kaum Subventionen bekommen, zu teuer: Erstens müssen mehr Musiker aufs Podium und ein Dirigent her. Die Freiburger können jetzt Beethoven nur spielen, weil ihr Konzertmeister Gottfried von der Goltz in die Dirigentenrolle hineingewachsen ist. Ob das eine pragmatische Lösung ist, wird sich erweisen. Fest steht, dass beide Ensembles gegenüber den institutionell geförderten Originalklang-Orchestern und „historisch informierten“ Formationen wie der Bremer Kammerphilharmonie ins Hintertreffen zu geraten drohen. Denn die spannendsten Entwicklungen spielen sich derzeit zwischen Klassik und Romantik ab.

Dass die Akademie für Alte Musik die adäquate finanzielle Unterstützung bekommt, scheint utopisch, obwohl die künstlerischen Ergebnisse interessanter wären als das meiste, was man in Berlin an Beethoven sonst zu hören bekommt. Deshalb haben sich die Musiker auf groß besetzte Kammermusik verlegt. Am Montag spielen sie im kleinen Saal des Konzerthauses neben dem Oktett des Beethoven-Zeitgenossen Anton Reicha das Septett Opus 20 – ein Stück, das in unmittelbarer Nachbarschaft der ersten Sinfonie entstand und bei dem sich sinfonische Höhenluft spüren lässt. Zum Weiterträumen dürfte das reichen.

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