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Persönliche Drohungen : Rapperin Kate Tempest sagt Volksbühnen-Konzert ab

Die Britin sollte Anfang Oktober im Flughafen Tempelhof auftreten. Doch nach Angaben ihres Managements wurde sie bedroht. Jetzt veröffentlichte Tempest ein Statement.

Die Rapperin Kate Tempest, 31, sollte für die neue Volksbühne ein Exklusiv-Konzert mit Orchester und Chor geben. Foto: Eddie Otchere
Die Rapperin Kate Tempest, 31, sollte für die neue Volksbühne ein Exklusiv-Konzert mit Orchester und Chor geben.Foto: Eddie Otchere

Die britische Rapperin Kate Tempest hat ihr Volksbühnen-Konzert am 6. Oktober 2017 in Hangar 5 des Tempelhofer Flughafens abgesagt. Ihr Management ATC in London erklärte, man habe mehrfach per E-Mail und über soziale Medien persönliche Drohungen erhalten. In einer solch aggressiven Atmosphäre wolle Kate Tempest nicht auftreten, auch die Sicherheit ihres Teams sei gefährdet. Der Hintergrund der Drohungen ist unklar. Möglicherweise spielt die pro-palästinensische „BDS“-Bewegung eine Rolle – oder auch gegnerische Gruppierungen. BDS hatte im August zum Boykott des Berliner „Pop-Kultur“-Festivals aufgerufen. Kate Tempest wurde in mehreren Presseartikeln als Anhängerin von BDS genannt. Sie hatte sich 2015 zusammen mit 1220 weiteren britischen Künstlerinnen und Künstlern dazu bekannt, aus Solidarität mit den Palästinensern keine Engagements in Israel anzunehmen. Betroffen von dem Aufruf und den daraus resultierenden Absagen war auch Christian Morin, seit 2009 Musikkurator der Volksbühne und Co-Kurator bei „Pop-Kultur“.

Chris Dercon bedauert die Absage

Kate Tempest hat einen jüdischen Hintergrund und Familie in Israel. Sie wollte in Tempelhof ihr Album „Let Them Eat Chaos“ mit Band, Orchester und mit Begleitung durch den Berliner Chor der Kulturen der Welt (Leitung: Barbara Morgenstern) aufführen. Für das Konzert wurde bereits ein Großteil der 2000 Karten verkauft. Die Tickets können bis zum 20. Oktober 2017 über die jeweilige Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden. Volksbühnen-Intendant Chris Dercon erklärt sein Bedauern: „Das ist eine riesige Enttäuschung für uns und die vielen Besucher, die sich auf das Konzert gefreut haben. Obwohl ich ihr Unwohlsein in dieser Situation verstehen kann, hätte ich mir gewünscht, dass sich die Künstlerin für einen Dialog mit ihrem Publikum geöffnet hätte. Dafür machen wir Kunst.“

Dercons Start wird begleitet von anhaltender Kritik und Anfeindungen. Im Netz kursiert seit einiger Zeit ein anonymer Aufruf zur Besetzung der Volksbühne. Eine Gruppe namens „Staub und Glitzer“ will ein Zeichen gegen „Gentrifizierung“ setzen. Die „dauerhafte Übernahme des Hauses als eine darstellende Theaterperformance“ ist vorgesehen, mit einem „dreimonatigen, auf einer Welle der Solidarität basierenden Spielplan“. Es geht dann in naiv-aggressivem Ton weiter: „Keineswegs streben wir die Verdrängung der Mitarbeiterschaft des Hauses an, sondern vielmehr die vollständige und anhaltende Integration derselben.“ Seitens der Volksbühne wollte man sich am Mittwoch dazu nicht offiziell äußern.

Tempest meldet sich zu Wort

Inzwischen hat die Rapperin auch selbst zu Wort gemeldet, mit einem Statement auf ihrer Facebook-Seite. Dort stellt sie klar, dass sie über das Verhalten der israelischen Regierung gegenüber der palästinensischen Bevölkerung "entsetzt" sei und sich deshalb dem kulturellen Boykott des Landes angeschlossen habe. Gleichzeitig wehrt sie sich gegen Vorwürfe des Antisemitismus, die sie als Person jüdischer Abstammung "zutiefst verletzt" hätten. "Die israelische Regierung ist nicht die einzige Stimme des Judentums", schreibt die Künstlerin. "Dieser Auftritt war dazu gedacht, darauf aufmerksam zu machen, welchen Horror Migrantinnen und Migranten auf der Suche nach einem besseren Leben durchmachen müssen und Solidarität mit ihnen als Menschen zu zeigen und ich bin darüber enttäuscht, dass daraus ein politischer Spielball gemacht wurde", so Tempest weiter. Sie bedauere die Absage ihres Auftritts und wünsche dem Team der Volksbühne nur das Beste, habe aber den Eindruck, dass es "weder ein angemessener noch sicherer Rahmen" für sie wäre, den Auftritt wahrzunehmen. (TSP)

Dieser Artikel wurde aktualisiert. Eine frühere Fassung enthielt noch nicht die Information, dass Kate Tempest Familie in Israel hat.

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