Peter Cook im Museum für Architekturzeichnung : Ein Kaktus für Berlin

Der Architektur-Visionär Peter Cook zeigt im Museum für Architekturzeichnung Entwürfe und Ideen von 1968 bis heute. Zu sehen sind auch Berliner Bilder.

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Cook ließ seine Ideen gerne über das Blatt wuchern: wie hier in "Veg House: Stage 5", einem Aquarell von 2001.
Cook ließ seine Ideen gerne über das Blatt wuchern: wie hier in "Veg House: Stage 5", einem Aquarell von 2001.Foto: © Peter Cook

Gerade erst hat Peter Cook seinen 80. Geburtstag gefeiert, doch bei dem Vortrag, den er am vergangenen Wochenende in Berlin hielt, zeigte er sich munter wie wohl einer der Studenten, die er in sage und schreibe 48-jähriger Lehrtätigkeit hauptsächlich in London ausgebildet hat. Ausgebildet? Er hat sie vor allem ermuntert, ihre eigenen Ideen zu entwickeln, wie er es selbst zeitlebens getan hat. Ganze Generationen von Architekten hat er nachhaltig beeinflusst.

Seine Zeichnungen und grafischen Blätter sind legendär. Eine Auswahl ist jetzt im Museum für Architekturzeichnung zu sehen, der Institution, die eine Lücke füllt, die ausgerechnet in Berlin als Stadt ewigen Baubooms so fühlbar besteht. Dass Architekten zeichnen, ist beinahe in Vergessenheit geraten, doch gerade Cook ist einer derjenigen, die die Zeichnung als erste Adresse von Ideen, Visionen, von Fantasie immer wieder bestätigen.

Sir Peter Cook, geboren 1936 in Southend-on-Sea, gehört zu den Mitbegründern der Gruppe „Archigram“ (1961–72), die mit der gleichnamigen Zeitschrift das architektonische Denken der sechziger Jahre aufmischten. „Beyond Architecture“ war ihr Schlachtruf, mit dem sie über die technokratische Beschränktheit dieser Zeit weit hinausgingen – aber nicht anti-technisch, sondern mit einer pop-artigen Lust an der Übertreibung. Wenn man die wuchernden Entwürfe sieht, wie sie Cook für seine Reihe „Die Stadt als reagierende Umgebung“ Anfang der siebziger Jahre gezeichnet und mit Airbrush (!) farbig ausgestaltet hat, stellt sich im Kopf ein filmischer Ablauf ein, bei dem sich die Farbflächen ausbreiten wie im legendären Beatles-Zeichentrickfilm „Yellow Submarine“.

"Vegetated Lump" von 1972, entworfen mit Buntstiften, Aquarell- und Pastellfarben.
"Vegetated Lump" von 1972, entworfen mit Buntstiften, Aquarell- und Pastellfarben.Foto: Peter Cook

Daraus wird deutlich, dass die Technik bei Cook nicht das letzte Wort hat; im Gegenteil. Ihn interessiert die Interaktion von Gebautem und Natürlichem; dergestalt, dass die Natur vom Gebauten mit der Zeit Besitz ergreift und es buchstäblich überwuchert. Aber das ist nicht nostalgisch gedacht: „Tatsächlich sagte er hoffnungsfroh den großen Einfluss voraus“ – schreibt William Menking im vorzüglichen Katalog –, „den die Computer auf die Arbeit der Architekten des 21. Jahrhunderts haben würden, und zwar Jahrzehnte bevor dieser überhaupt spürbar wurde.“ Cook sei „einer der wenigen Architekten seiner Generation, die nahtlos von der Handzeichnung zur computergenerierten Darstellung übergingen“.

„Ganz bestimmt bin ich kein Anhänger von abstrakten Ideen und Konzepten“, schreibt Cook im Buch zu seiner jetzigen Ausstellung, die auf den beiden Etagen des Museums für Architekturzeichnung Arbeiten von 1968 bis heute zeigt. Er selbst kam 1971 nach Berlin, weil er den „Umstand einer künstlich geteilten Stadt in höchstem Maße aufregend“ fand. In Berlin traf er Künstler des Brit-Pop wie Richard Hamilton und Eduardo Paolozzi. Die Halbstadt hinterließ bleibenden Eindruck: „Ist die Gesamtheit der Bilder nicht zu berauschend, als dass ich sie je vergessen könnte?“

Sonne, marsch! Peter Cook sah 1981 eine „Solar City“ voraus. Das Blatt kombiniert Druck und Aquarell.
Sonne, marsch! Peter Cook sah 1981 eine „Solar City“ voraus. Das Blatt kombiniert Druck und Aquarell.Foto: © Peter Cook 2016

Mit Berliner Bildern oder vielleicht auch literarischen Vorstellungen im Kopf entstanden Zeichnungen, die Stadt und Vorort miteinander mischen, die die Kontraste aufeinanderstoßen und dennoch sich versöhnen lassen, wie Cook es im alten West-Berlin gesehen und empfunden hat. Plötzlich taucht auch ein Kaktus auf: warum nicht ein Kaktus? „Berlin wird vom Westen, von den USA bezahlt, also bringen wir einen Kaktus aus Arizona nach Berlin!“, erläuterte Cook in seinem Vortrag einen der Entwürfe.

Und noch etwas sagte er: wen er als den „überhaupt jemals besten Architekten Berlins“ ansieht. Es ist Hans Scharoun, der Schöpfer organischer Räume.

Gebaut hat Cook übrigens auch, wenn auch wenig. Manches wurde als zu wagemutig vereitelt. In der Ausstellung zu sehen ist sein Entwurf für einen mehrgeschossigen Wohnungsbau im Madrider Stadtteil Vallecas von 2007. „Das wurde wirklich gebaut!“, freut sich Peter Cook beim Rundgang durch die Ausstellung. Es ist diese Freude am Schöpferischen, die seinen Einfluss erklärt. Und dabei tänzelt Cook an den Wänden mit seinen Werken entlang, als hätte er sie alle erst gestern geschaffen.

Museum für Architekturzeichnung, Christinenstr. 18a (Pfefferberg), bis 12.2., Katalog 20 €. www.tchoban-foundation.de

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