Kultur : Peter Schwenkow: Monopoly

Ralph Geisenhanslüke

Das neudeutsche Wort für Konkurrenz lautet "Mitbewerber". Das Wort suggeriert eine gewisse Fairness. Es soll den Kampf und alle damit verbundenen Negativ-Gefühle übertünchen. Peter L.H. Schwenkow ist ein Mitbewerber, von dem seine Konkurrenten meist mit zusammengebissenen Zähnen sprechen. Und wenn das Aufnahmegerät ausgeschaltet ist, benutzen sie Wörter, die aus juristischen Gründen unzitiert bleiben. Peter L.H. Schwenkow jedenfalls hat es geschafft: Er ist der Größte. Der größte Live-Entertainment-Veranstalter Deutschlands.

1981 begann die Blüte seines Imperiums mit der Wiedereröffnung der Waldbühne. Die gammelte seit den Verheerungen beim Konzert der Rolling Stones, 1965, vor sich hin. Schwenkow sicherte sich einen Exklusiv-Vertrag. Wie später auch beim Velodrom oder der Max-Schmeling-Halle erlag die öffentliche Hand auf rätselhafte Weise immer wieder Schwenkows Charme und ließ andere Veranstalter weitgehend außen vor.

Peter macht die Hütten voll. Womit, ist eigentlich egal. André Rieu oder AC/DC. Wer in Zukunft als Zuschauer zu solchen Großveranstaltungen geht, kauft sein Ticket bei einem Beinahe-Monopolisten. Vor zwei Jahren schon blätterte Schwenkow für die Deutschland-Tour der Stones 43 Millionen Mark hin, vorab und cash. Aber so richtig in Einkaufslaune ist er, seit die "Deutsche Entertainment AG" (DEAG), wie sein Firmen-Konglomerat nun heißt, am Neuen Markt notiert ist. So kaufte Schwenkow erst Anfang des Jahres die Filet-Teile der maroden Stella AG. Aus dem König der Rock-Arena wurde nun auch der Musical-King.

Das Spiel geht weiter: Gestern konnte die DEAG freudig bekannt geben, dass sie ihren ärgsten Mitbewerber schluckt. Marcel Avram, der sich seinerseits 1989 mit dem Veranstaltungs-Veteran Fritz Rau zu Mama Concerts & Rau zusammengeschlossen hatte, arbeitet nun auch für Schwenkow - über das Konstrukt einer Schweizer Holding, die 70 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen Entertainment One hält. Marcel Avram wird noch für 5 Jahre die Geschäfte von Israel aus führen, wohin er nach einer Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung zog.

Für Schwenkow kommt die Siegesmeldung gerade recht. Nach seiner jahrelangen Expansion hat der Primus eine Menge Verbindlichkeiten. So war zum 31. März 2000 ein Schuldenstand von 108 Millionen Mark aufgelaufen. Demgegenüber stand ein Eigenkapital von nur 34 Millionen Mark. Vor Steuern und Zinsen blieben 1999 bei 170 Millionen Mark Umsatz gerade mal 10 Millionen als Gewinn übrig - und das nach einer verstärkten Auskehrung von Finanzreserven. Größe kann auch zum Problem werden.

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