Philip Guston in der Galerie Scheibler : Glimmende Kippe

Annika Karpowski
Signets der Seele. Gemälde (1979) von Philip Guston.
Signets der Seele. Gemälde (1979) von Philip Guston.Foto: Galerie

Letztes Jahr wäre der amerikanische Maler Philip Guston hundert Jahre alt geworden. Zur Zeit tourt eine große Ausstellung mit dessen Spätwerk durch Europa, gerade gastiert sie in Hamburg, Dänemark folgt. In Berlin besteht nun die Chance, eine kleine exquisite Auswahl von Gemälden und Zeichnungen aus dem Nachlass zu sehen, darunter Arbeiten, die noch nie öffentlich ausgestellt wurden. Nach 2007 zeigt die Galerie Aurel Scheibler zum zweiten Mal eine Einzelausstellung des in Montreal geborenen Malers, der aus einer russisch-orthodoxen Einwandererfamilie stammt und mit seiner eindrucksvollen Malerei ein eigenes Kapitel Kunstgeschichte der Nachkriegszeit schreiben sollte. Ergänzt werden die sieben späten Gemälde und drei Zeichnungen durch zwei frühe Arbeiten, die vom Umbruch im Denken und im Malen der Künstlers erzählen.

Die Ausstellung zeigt, wie Guston Ende der sechziger Jahre seine etablierte Position aufgibt. Mit einer radikalen Kehrtwende verabschiedet er sich vom Abstrakten Expressionismus und holt die Gegenständlichkeit zurück in sein Werk. In den darauf folgenden zehn Jahren, den letzten und produktivsten, reduzierte er seine Farbpalette auf Scharlachrot, Blau, Schwarz und Weiß. Großflächig und grob aufgebracht, wurden sie fortan zu seinem Erkennungszeichen. Ebenso wie seine Motive: Zu Gustons klassischem Vokabular gehören Gegenstände wie die glimmende Kippe, die Ku-Klux-Klan-Kapuze, der Hammer, Häuserblock, Buchstabe und Papier.

In blockhaft-klotzigem Bad Painting wirken sie surreal und verstörend. Sämtliche Motive sind Teil Gustons eigener Geschichte, für die er in abstrakter Form kein Ventil mehr fand. „A Live Lived“ lautet deshalb der Ausstellungstitel. Das Spiel mit Maske, Allegorie und Selbstbild hat Guston bis zu seinem Tod 1980 betrieben und sich damit aus allen Kategorien enthoben. Die feine Schau zeigt alles, was es zu seinem Verständnis braucht.

Galerie Aurel Scheibler, Schöneberger Ufer 71; bis 28. August, Di–Sa 11–18Uhr

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