Kultur : Pianissimo

Franz Xaver Ohnesorg und das Klavier-Festival Ruhr

Corina Kolbe

An Selbstbewusstsein mangelt es Franz Xaver Ohnesorg wahrlich nicht: „Die deutsche Klavierhauptstadt heißt Metropole Ruhr“, behauptet der Musikmanager. Seit seinem vorzeitigen Abtritt als Intendant der Berliner Philharmonie Anfang 2003 widmet sich der gebürtige Bayer ganz der Leitung des Klavier-Festivals Ruhr, dessen 20. Ausgabe am 15. Mai beginnt. Auf das Erreichte kann Ohnesorg durchaus stolz sein: 59 000 Besucher verzeichnete das Festival 2007, Stars wie Martha Argerich, Nelson Freire, Radu Lupu und Krystian Zimerman sollen diesmal für volle Säle sorgen, trotz harter Konkurrenz durch die Fußball-EM. Daniel Barenboim tritt in Essen im Duo mit dem chinesischen Pianisten Lang Lang auf, und Alfred Brendel gibt im Revier eines der letzten Konzerte in seiner langen Karriere. Nicht minder prominent ist der diesjährige Preisträger des Festivals, Maurizio Pollini. Ohnesorg ist gut vernetzt, und er hat sie alle, die international gefragten Tastentitanen – in dem notorisch von einem (unbegründeten) kulturellen Minderwertigkeitskomplex geprägten Ruhrgebiet kommt das gut an: Gerade ist sein Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert worden.

Nach Mozart und Beethoven steht diesmal das Klavierwerk von Franz Schubert im Fokus. Bis Ende Juli gibt es 77 Konzerte in 15 Städten und an 26 Spielstätten – in hochmodernen Konzertsälen wie der Essener Philharmonie, aber auch in den Industriedenkmälern des Ruhrgebiets wie der Jahrhunderthalle Bochum. Finanziert wird das nach Angaben der Veranstalter weltweit größte Pianistentreffen übrigens ausschließlich durch private Sponsorengelder. Hinter dem Festival steht der Initiativkreis Ruhrgebiet, ein Zusammenschluss von mehr als 60 Wirtschaftsunternehmen.

Von der Kirchturmpolitik der Region lässt sich Ohnesorg in seinem Elan nicht bremsen. Manch ein Kulturdezernent hätte sich mehr Auftritte in seiner Stadt gewünscht. Dass mit Konzerten in Düsseldorf streng genommen die Grenzen des Ruhrgebiets überschritten werden, stößt ebenfalls auf harsche Kritik. Der Kulturmanager deutet solche Scharmützel selbstbewusst zu seinen Gunsten um: Letztlich könne sich das Festival doch darüber freuen, von so vielen Städten umworben zu werden. Corina Kolbe

Infos unter: www.klavierfestival.de

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