Kultur : Pionier und Provokateur Der Auktionator

Robin Straub ist tot

Beate Valentin

Die schwarze Brille mit den breiten Bügeln war sein Markenzeichen, dahinter der stets nach vorne gerichtete Blick. So führte Robin Ph. Straub sein Unternehmen geradewegs vom soliden Stuttgarter Kunstauktionshaus zu einem der führenden deutschen Häuser, welches sich gerade zum Sprung in die internationale Geschäftstätigkeit gerüstet hatte.

Der fast zwei Meter große Mann hatte den Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Und der Erfolg gab ihm recht. Dem 1956 in Stuttgart geborene Straub, der das Studium der Betriebswirtschaft vorzeitig beendet hatte, um im Auktionshaus Nagel den Kunsthandel von der Pike auf zu lernen, war schon am ersten Arbeitstag klar geworden, dass ein Anzug für ihn nicht die richtige Arbeitskleidung war. Er wollte zupacken können.

Schnell erkannte Straub, dass die schon seit der Firmengründung durch Fritz Nagel und später durch dessen Sohn Gert weitergeführten internen Strukturen nicht mehr zeitgemäß waren. Er organisierte die Arbeitsabläufe neu und führte elektronische Datenverarbeitung ein. Nachdem er 1990 das Auktionshaus übernommen hatte, initiierte Straub die ersten Online-Auktionen in Deutschland. Die technischen Voraussetzungen dafür verbesserte er stetig, bis er zuletzt von jedem Punkt der Welt als Auktionator „live“ zu hören war.

Aufgeschlossen verfolgte Straub neue Ideen, organisierte Spezialauktionen und Ausstellungen in Asien. Bravourös bewerkstelligte er 2000 die logistisch aufwändige Mammutversteigerung von chinesischem Porzella, welche von einem enormen Medien-Echo begleitet wurde. Er hatte die Vision vom „gläsernen“ Auktionshaus, in dem sich seine Kunden ohne Hemmschwellen bewegen. In dem erst 2003 eröffneten Firmensitz in der Neckarstraße konnte er die Voraussetzungen dafür bieten. Der Erfolg blieb nicht aus. Das Jahr 2004 endete mit einem Rekordergebnis.

Straub entzog sich den Konventionen und der gesellschaftlichen Seite des Kunstbetriebs. Er genoss das Leben vor allem im Kreis seiner Familie. Mit seiner Frau Nelly und den drei Kindern wollte er sich am Ende des Jahres in der Dominikanischen Republik erholen. Einen Tag nach der Ankunft in der Karibik, am 27. Dezember 2004, erlag der 48-Jährige einem Herzversagen.

Für die Zukunft seiner Firma hat er Vorsorge getroffen. Nicht nur sind die Weichen dafür gestellt, dass die Firma Nagel Auktionen auch in Zukunft wettbewerbsfähig agieren kann. Straub hat auch eine neue Führungsstruktur vorbereitet, die Anfang 2005 in Kraft treten sollte. In der Todesanzeige seiner Mitarbeiter war zu lesen, dass sie Robin Ph. Straubs Leistungen ehren und sein Andenken bewahren wollen, indem sie seine Visionen umsetzen.

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