Kultur : "Plunckett & MacLeane" mit Robert Carlyle

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Diese beiden Gentleman-Banditen gab es wirklich. James MacLeane, Sohn eines schottischen Geistlichen, war ein vergnügungssüchtiger Abenteurer, der erst das hinterlassene Vermögen seines Vaters, dann die Mitgift seiner Frau durchbrachte und zusammen mit dem ehemaligen Apotheker Plunkett seinen verschwenderischen Lebenswandel mit Überfällen in der Umgebung von London finanzierte. Irgendwann wurden die berühmt-berüchtigten Räuber aber erwischt, MacLeane starb am Galgen, Freund Plunkett entkam. Stoff für einen historisierenden Kostümfilm? Der Regiedebütant Jake Scott, Sohn von Ridley und Neffe von Tony Scott, versucht etwas anderes. Der erfahrene Werbefilmer und Videoclip-Spezialist verbindet modische Filmästhetik mit dem englischen Ambiente des 18. Jahrhunderts, was gleichzusetzen ist mit einer sehr vergnüglichen Verfremdung. Alles wirkt realitätsfern und übertrieben, sowohl die miesen Verhältnisse der Armen als auch der Luxus der Upper Class. Die Kostüme (Janty Yates) sind schrille Variationen barock ausladender Kleider und Perücken, auf den Parties der Reichen wird nach Rock und Techno getanzt, und die Sprache, hier wie dort, ist modern, was heißt: unumwunden direkt.

Spannung entwickelt der Film zunächst aus der Gegensätzlichkeit der beiden Gangster. MacLeane (Jonny Lee Miller) ist gebildet und hat exzellente Manieren, er soll sich Eintritt in die besseren Kreise verschaffen, während Plunkett (Robert Carlyle) sozusagen der Mann fürs Grobe ist. Er plant die Raubzüge und ist bei der Ausführung auch unerschrockener als der "feine" MacLeane, ein Weichei mit ewigen Bedenken und Vorbehalten. Trotzdem, der Erfolg ist den beiden sicher, und MacLeanes Höflichkeit und Ritterlichkeit bei ihren übermütigen Aktionen verschafft ihnen sogar einen sensationellen Ruf.

Von Robin-Hood-Ambitionen sind die beiden allerdings weit entfernt, was sie erbeuten, geben sie selbst mit vollen Händen wieder aus für eine prächtige Wohnung, für Kleidung, Trinkgelage und im Spiel. Die flott inszenierte Räubergeschichte macht solange Spaß, bis der Abenteuerfilm in konventionelle Bahnen umschwenkt, also auf Stereotypen des Genres glaubt, nicht verzichten zu dürfen. Der Verfolger, Polizeichef Chance (Ken Stott), ist ein Erzbösewicht, und die schöne Lady, die es zu erringen gilt, ist eine Traumfrau (Liv Tyler): jung und anmutig und natürlich sehr, sehr reich. Wie ihre historischen Vorbilder werden auch die Filmhelden Opfer einer Intrige, doch der Hinrichtung entrinnen beide. Eine tolldreiste Flucht ist spannender Abschluss eines überwiegend amüsant erzählten Films.Gropius Passagen, Kosmos, Royal; Cinemaxx Potsdamer Platz (OV)

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