Kultur : Plus minus null

Martenstein zählt Angelina Jolies Tätowierungen

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Angelina Jolie spielt in „The Good Shepherd“ eine verhärmte Hausfrau von anfangs 25, später 45 Jahren, deren Mann Matt Damon nichts von ihr wissen will, auch und gerade sexuell. Während im Film die Jahrzehnte vergehen, sieht sie immer haargenau so schön und jung aus, wie sie es im Moment gerade ist, nämlich 31, und sie wirkt dabei so Angelina-Jolie-mäßig, dass man dem vollkommen desinteressierten Matt Damon die ganze Zeit zurufen möchte: „Mann, siehst du denn nicht, dass das Angelina Jolie ist, da neben dir mit dem großen Mund? Denk noch mal nach!“ Inzwischen habe ich recherchiert, warum Angelina Jolie neuerdings solche Rollen annimmt, die für sie extrem schwierig zu spielen sind. Sie ist die einzige bekannte Schauspielerin, bei der auf den Fanseiten im Internet neben der Filmographie auch eine Liste der aktuellen Tätowierungen steht. Im Augenblick sind es offenbar zwölf. Das Fenster auf dem Rücken hat sie kürzlich wegmachen lassen. Sie hat aber immer noch unter anderem den Text auftätowiert: „Ein Gebet für die im Herzen Wilden, die in Käfigen gehalten werden“, außerdem auf lateinisch: „Was mich nährt, zerstört mich auch.“ Deswegen, sagt sie in Interviews, könne sie keine Nacktszenen mehr spielen, obwohl sie nichts gegen Nacktszenen habe. Aber bei den Nacktszenen ist auf ihrem nackten Körper immer deutlich zu lesen: „Was mich nährt, zerstört mich auch“, das verstehen die meisten Regisseure, völlig zu Recht, als Kritik an ihrem Film und werden sauer.

Früher besaß die Berlinale ein „Kinderfilmfest“. Da wusste jeder, aha, soso, ein Filmfest für Kinder. Ab sofort heißt die Veranstaltung „Generation Kplus“. Da weiß man nicht, ob es die Generation Nordhäuser Korn plus Cola ist, ein Anti-Aging-Mittel mit Karotin oder ob nicht doch die postkommunistischen Eliten Osteuropas gemeint sind. Gut, das „K“ steht offenbar für Kinder – aber wofür steht das „plus“? Was soll zu den Kinderchen bei der Berlinale denn hinzukommen? Kindergeld? Beziehungsprobleme? Böse Onkels? Heißen im nächsten Jahr die Filme für uns Ältere „Generation A plus“? „E plus“ geht ja nicht. Ich bitte zu bedenken, dass auch ein beliebtes deutsches Schimpfwort mit „A“ beginnt.

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