Pop : Air-Mitglied Dunckel im Alleinflug

Der Musiker des französischen Elektro-Duos Air, Jean-Benoit Dunckel, bringt mit "Darkel" sein erstes Soloalbum heraus. Fans müssen aber darum keine Trennung von Air befürchten.

Berlin - Irgendwie kommt sein neues Musikprojekt "Darkel" nicht um ein erstes Missverständnis herum. Wer ist denn dieses Mal die Frau, die singt, wird Jean-Benoit Dunckel immer wieder gefragt. Dann kann der 37-jährige Franzose mit der sanften Stimme nur verlegen mit "Ich" antworten. Nach Erfolgen und Experimenten mit dem Elektro-Duo Air, bei dem wechselnde Sängerinnen mitmachten, veröffentlicht Dunckel am Freitag als Darkel sein gleichnamiges erstes Soloalbum - auf dem er nicht nur für die Sounds zuständig ist, sondern auch die Vocals.

Zwar startet die Platte mit dem düsteren und wie der Soundtrack zu einem Horrorstreifen klingenden "Be My Friend". Doch schon ab dem zweiten Song klingt das Album mit Stücken wie "At the End of the Sky", "TV Destroy" und "Beautiful Woman" poppig, leicht und beschwingt. "Ich mag Mainstream, und ich mag es, wenn Songs verständlich sind", sagt Dunckel.

Der studierte Mathematiker komponierte, schrieb und produzierte sein erstes Soloalbum überwiegend allein beziehungsweise mit Unterstützung von Freunden. Zwar habe er erst überlegt, eine Sängerin anzuheuern, doch dann war ihm das zu aufwändig. "Ich wollte die Platte schnell machen und sie schlicht halten", sagt er.

Keinen Mut zu französischen Songs

An die Produktion französischer Songs habe er zwar schon mal gedacht, dann aber doch nicht den Mut dazu gefunden. Dunckel hat gehörigen Respekt vor der französischen Literatur und Lyrik. An dieser würde er sich mit seinen Songtexten messen - und wahrscheinlich den Kürzeren ziehen, befürchtet er.

Darkel hat er sich genannt, weil er seinen richtigen Namen nur leicht abwandeln wollte. Und obwohl ihm die Soloarbeit Spaß gemacht hat, ist Darkel erst mal eher eine einmalige Sache. "Ein Soloalbum ist nicht das Gleiche wie eine Solokarriere", betont er.

Strategisch geplant gewesen sei die Platte nicht. Er habe Songs gemacht, weil er Musik brauche, um sich auszudrücken - "und zu sagen, was ich mich sonst nicht traue". Und als die Stücke fertig waren, brauchte er natürlich auch ein Medium dazu.

Der Aufruf "Destroy Your TV" ist indes nicht wörtlich zu nehmen. Dunckel hängt selbst viel zu sehr an seinem modernen High-Tech-Gerät, als dass er den Song ernst meinen würde. Kein Witz ist indes das Lied "Be My Friend": Er möge keinen Streit, sagt der 37-Jährige. "Ich brauche Harmonie."

Trennung des Air-Duos kein Thema

Dass sich Air getrennt haben oder trennen wollen, müssen Fans des Franzosen-Duos aber keinesfalls fürchten. Gemeinsam mit seinem Partner und Freund aus Schultagen, Nicolas Godin, arbeitet Dunckel bereits am vierten Air-Album, das Anfang 2007 veröffentlicht werden soll.

Dunckel und Godin machen schon seit 1995 als Air zusammen Musik, die sich vor allem zum Chillen mit Kopfhörern und in der Horizontalen eignet. Ihre Stücke seien wie Träume, sagen die Musiker selbst. 1998 legten sie mit "Moon Safari" ihr bislang erfolgreichstes Album vor, das mehr als eine Million Mal verkauft wurde. Die anschließenden Platten wie "The Virgin Suicides" und "10000 Hz Legend" waren dagegen eher düster und experimentell.

Das neue Album wird wieder etwas Neues sein, verspricht Dunckel. "Wir kehren zu nichts zurück", betont er - auch nicht zu dem kommerziell so erfolgreichen Stil von "Moon Safari". (Von Nadine Emmerich, ddp)

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