20 Jahre Clubkultur : DJs altern nicht

Was machen DJs, wenn sie in die Jahre kommen? Füllen DJ BoBo, Sven Väth und Co. nach 20 Jahren Clubkultur noch immer große Hallen oder stauben sie im heimischen Partykeller Platten aus längst vergangenen Tagen ab?

Susanna Gotsch
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Ende der 80er Jahre brach die Zeit der DJ-Kultur an. Seither hat sich einiges geändert. -Foto: ddp

BerlinDer Schweizer DJ BoBo beispielsweise – er feierte gerade seinen 40. Geburtstag und füllt aktuell mit seiner Bühnenshow "Vampires Alive" immer noch Säle. Von Langeweile also keine Spur – auch nach 20 Jahren nicht. Noch immer gehört der DJ, Musiker, Tänzer, Komponist und Produzent alias Peter René Baumann neben Uhren, Käse und Schokolade zu den wichtigsten Schweizer Exportschlagern. Seinen ersten großen Hit landete der gelernte Bäcker und Konditor 1992 mit "Somebody Dance With Me". Seitdem ist er einer der wenigen Musiker des so genannten Eurodance-Phänomens der 90er Jahre, der noch immer Massen aller Altergruppen begeistert. Doch seine Zeit als Teeniestar sei eindeutig vorbei, sagt DJ BoBo selbst. Ein Blick ins Publikum während seiner derzeitigen Tournee bestätigt, dass er vor allem Familien anspricht.

Worüber sich der hauptberufliche Sänger schon immer geärgert hat, ist, dass er sich zu Beginn seiner Karriere den Namen DJ BoBo gab. Damit hat er sich zwar ein Markenzeichen geschaffen, wird deswegen aber immer in die kindliche Ecke gestellt.

Auf Ibiza erfolgreich

Die eigentlichen Protagonisten der DJ-Kultur sind waschechte Plattenaufleger wie Sven Väth oder DJ Hell. Als Pionier und Wegbereiter der deutschen Techno-Szene hat es der mittlerweile 44-jährige Väth weltweit zu bleibender Anerkennung geschafft. Auf Ibiza ist der DJ-Popstar derzeit mit dem Cocoon-Club-Konzept sehr erfolgreich. Seine Cocoon-Events im Amnesia, einer der größten und bekanntesten Diskotheken weltweit, sind seit 2000 aus dem Nachleben der Insel nicht mehr wegzudenken und werden alljährlich gern von internationalen Stars besucht. Die besten Tracks des Sommers erscheinen jeweils im Herbst auf Väths musikalischem Ibiza-Rückblick "The Sound Of The … Season." Auch wenn es Papa Väth vermehrt in wärmere Gefilde zieht, bleibt er seiner Heimat Frankfurt am Main auf ewig verbunden. Mit seinem "Sound of Frankfurt" machte er die Stadt über die Landesgrenzen hinaus populär und wurde zum Markenzeichen der jungen Bewegung.

Der ItaloDisco verpflichtet

Wie sein Kollege Väth ist auch der 46-jährige Produzent und Plattenlabel-Chef DJ Hell alias Helmut Josef Geier eine feste Institution der deutschen DJ-Szene. Nach über 20 Jahren DJ-Laufbahn zählt er noch immer zu den deutschen Top-Drei. Hells Karriere begann Mitte der 80er Jahre, wobei er damals noch eher dem Wave als dem Techno zugetan war. Doch sein musikalisches Spektrum ist abwechselungsreicher und reicht von Hip-Hop, Industrial, House, Techno und Wave auch zum Italo-Disco. Die Strömung wurde so genannt, weil die besondere Mischung aus Disco- und Elektro-Sounds zwischen Gardasee und München erfunden wurde. Vor ein paar Wochen erst brachte Hell seine neue Compilation "Ellboy" heraus und präsentiert damit die definitive Italo-Disco-Anthology. An die neue Generation der DJs hat Hell sich gewöhnt. Die legen zwar statt mit Vinyl mit ihren Laptops auf, sorgen aber nach wie vor für ungehemmtes Feiern und randvolle Clubs. "Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt", so Hell.

Farbenfrohe Powerfrau

Neben den männlichen DJs ist Marusha das weibliche Aushängeschild der Clubkultur – auch mit 42 Jahren. Gehör verschaffte sich die DJane 1991 mit ihrer Sendung "Dancehall". Anschließend moderierte sie auf Radio Fritz "Rave Satellite" und wurde zum Star der jungen Berliner Technoszene. Neben ihrer Arbeit im Studio steht die Powerfrau mit den bunt gefärbten Augenbrauen regelmäßig an den Turntables in den Clubs. Bei WestBams Label "Low Spirit" unter Vertrag reist sie wenig später mit Plattenkoffer und ihrem Erfolgsalbum "Raveland" um die Welt. Vier weitere Alben folgen, in denen sich die sympathische DJane musikalisch zwischen Techno, House, Elektro und chilligen Grooves bewegt. Daneben ist sie immer wieder hinter den Turntables zu bewundern. Sogar in Thailand hat sie sich einen Namen machen können. Dort engagiert sie sich u.a. für die Internationale Friedensstiftung. Durch die Geburt ihres Sohnes im Jahr 2005 wurde es etwas ruhiger um die Grand-Dame des Techno. Doch ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. Erst im August vergangenen Jahres legte sie auf der Loveparade in Essen die Platten auf, im November erschien ihr neues Studioalbum "Heat". Und auch die sechste Ausgabe der Pro Sieben-Popstars-Staffel kommt nicht ohne Musikexpertin Marusha aus.

Die ruhigere Fraktion

Um andere populäre deutsche DJs wie Paul Van Dyk und DJ WestBam ist es vergleichsweise ruhig geworden, zumindest was die Präsenz in der Presse anbelangt. Der seit 1991 am Plattenteller stehende 36-jährige Paul Van Dyk brachte 2005 die Fortsetzung seiner eigenen Compilation-Reihe "The Politics Of Dancing2" heraus. Als DJ spielt er weltweit nach wie vor eine wichtige Rolle - was die Umfragen des DJ-Mags Jahr für Jahr bestätigen. DJ WestBam alias Maximilian Lenz hat seine Finger noch immer im Geschäft mit den strammen Beats. Der 43-jährige Techno-DJ-Veteran legte im Jahr 2005 mit seinem Album "Do you believe in the Westworld" eine große Überraschung hin – er präsentierte es in eher untypischer DJ-Manier mit einer Band. Wenn er nicht gerade an einer neuen Platte arbeiten sollte, dann steht er auf jeden Fall in den Clubs hinter den Plattentellern – so wie Silvester 2007 im Berliner Phb Club.

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