Bayreuther Festspiele : Nike Wagner: Es muss nicht immer ein Wagner sein

In zwei Wochen beginnen die Bayreuther Festspiele und im Herbst will der Stiftungsrat über die Nachfolge des Leiters Wolfgang Wagner entscheiden. Seine Nichte Nike warnt vor geistigem Stillstand und wirft Katharina Wagner Ideenklau vor.

Wagner-Frauen
Drei Wagner-Frauen, ein Posten: Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner -Foto: dpa

München/Bayreuth Nike Wagner hat sich gegen einen dynastischen Anspruch der Familie Wagner auf die Leitung der Bayreuther Festspiele ausgesprochen. "Nicht noch einmal darf einer, nur weil er Wagner heißt, sich die Lizenz zuschustern, in Bayreuth auch künstlerisch tätig zu sein", sagte die Nichte von Festspielchef Wolfgang Wagner (87) in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". In diesem Herbst will sich der Stiftungsrat erneut mit der Nachfolge Wolfgang Wagners befassen, der einen Vertrag auf Lebenszeit hat.

Nike warnt vor altem Geist in neuen Schläuchen

"Der Corpus Bayreuth verdirbt nicht, wenn Fremdblut in seine Adern gepumpt wird." Den Nachkommen Wagners solle "eine repräsentative Funktion" eingeräumt werden. Nike Wagner (62) spielte damit auf ihre Cousine Katharina Wagner (29) an. Die Tochter von Wolfgang Wagner hat bereits ihren Anspruch auf die künftige Festspielleitung angemeldet. Die Situation in Bayreuth sei "hochgradig gefährlich", sagte Nike Wagner, "weil die Chance auf einen wirklichen Neubeginn verspielt werden könnte". Der Stiftungsrat müsse sich Zeit für eine Entscheidung nehmen. Er dürfe nicht "alten Geist in junge Schläuche füllen".

Hat Katharina die Ideen ihrer Cousine geklaut?

Ihrer Cousine warf Nike Wagner indirekt Ideenklau vor. Sie selbst habe bei ihrer Bewerbung 2001 ein Konzept vorgelegt - "und es ist ein schöner Lohn meiner Bemühungen, dass sich meine Cousine Katharina daraus bereits bedient, wenn ihr die leidige Frage nach einem "Konzept" gestellt wird."

Ob sie sich selbst noch einmal um die Festspielleitung bewerben werde, ließ die Leiterin des Weimarer Kunstfestes offen. "Das Interesse an Bayreuth wird immer bleiben", sagte sie. Mit ihrer Aufgabe in Weimar habe es sich aber "auf angenehmste Weise relativiert". Im Deutschlandradio Kultur sagte Wagner dazu: "Ich werde mich nicht aktiv bewerben. Aber da ich die Kriterien erfülle, die für die Nachfolge aufgestellt sind, warum nicht?"

Nike: Bayreuth braucht neue Dramaturgie

Diese Kriterien für einen künftigen Festspielchef beschrieb die 62-Jährige in der SZ so: "Er muss langjährige Opern-, Theater-, Kunsterfahrung mitbringen, muss sich international umgetan haben, offenen Geist, Fantasie, künstlerische Sensibilität und eine Portion Verrücktheit haben - und den Mut, gegen den Mainstream zu arbeiten." Bayreuth brauche eine neue Dramaturgie. Es gehe um inhaltliche Erweiterungen. Andere Wagner-Bühnen hätten Bayreuth längst den Rang abgelaufen. (mit dpa)

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