Berliner Philharmoniker : Doppelpass

Daniel Barenboim spielt und dirigiert Beethoven gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern. Eine Doppelrolle, die ihm sichtlich Spaß bereitet.

Ulrich Pollmann

Zum Auftakt des Beethoven-Abends mit den Berliner Philharmonikern inszeniert Daniel Barenboim die dritte Leonoren-Ouvertüre mit einer inneren Weite und Ruhe, als wäre sie ein Vorspiel von Richard Wagner. Man spürt, hier hat jemand Lust, sich und die Musik ganz groß in Szene zu setzen. Und das zunächst auf fast kammermusikalisch verfeinertem Niveau.

Der Beginn des C-Dur-Klavierkonzerts, das Barenboim in der Philharmonie vom Flügel aus dirigiert, klingt anschließend fast wie ein exquisites Streichquartett; erst allmählich bauen sich die Orchesterklangfarben auf. Gleichwohl ahnt man: Dass Pianist und Dirigent hier in Personalunion agieren, fordert seinen Tribut – vergangenen Sommer hatte Barenboim das gleiche Programm in der Waldbühne noch mit der Staatskapelle und Lang Lang am Flügel absolviert. Auch die Philharmoniker spielen glänzend, aber niemand führt sie als Gegenpart zum Solisten. Oft genießen sie sichtlich ihre Freiheit, schlüssige, dramaturgisch packende Bögen gelingen jedoch nicht immer.

Klar, dass die Streicher besonders beim symphonisch angelegten Es-Dur-Klavierkonzert unter dem bekennenden Romantiker Barenboim mehr vibrieren als unter Simon Rattle. Vieles gelingt Barenboim lustvoll und vital, zumal seine Doppelrolle ihn sichtlich begeistert. Mit rudernden Armen treibt er das Orchester an, und gleich sausen die Hände wieder nach unten auf die Tasten. Ein von Neigung und Spontaneität getragener Abend – wenn auch ohne besonderen interpretatorischen Anspruch. Ulrich Pollmann

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