Comebacks : Phantome und Schmerzen

Von netten Zombies und Phantomschmerzen: Ein Familienrat von Rüdiger Schaper.

Wie wäre es in diesen novembergrauen Dezembertagen mit den Grateful Dead? Ach nein, Jerry Garcia hat den Joint lange schon abgegeben und spielt die Engel schwindelig mit seinen Gitarrensoli. Cream kamen zurück. Pink Floyd. The Police leider auch. Led Zeppelin haben am Montag in London den „Hammer of Gods“ noch einmal herausgeholt und die Latte für künftige Band-Reunions sehr, sehr hoch gehängt.

Ein neues Album ist von den Zeppelinen gewiss nicht zu erwarten, weitere Live-Auftritte von Robert Plant & Co. wären das höchste der Gefühle. Aber man ist vor Überraschungen nicht mehr sicher. Die Eagles, mit ihrem etwas leichteren Fluggerät, haben dieser Tage eine Studio-Doppel-CD veröffentlicht, die erste nach bald 28 Jahren. Die kalifornischen Balladenreiter waren ebenso lang tot oder scheintot oder als nette Zombies unterwegs, wie der bleierne Zeppelin im Hangar ruhte. Die Gesetze des Rock-Business werden ständig neu geschrieben, verlassen kann man sich auf nichts. Auch nicht auf das Ende einer Band – was ergreifend schön und für die Ewigkeit sein kann. So wie jenes Abschiedskonzert von The Band um Robbie Robertson, die 1976 in San Francisco zum „Last Waltz“ aufspielte. Das kommt nicht wieder, der Tod schlug hier schon zwei Mal zu, und wir haben ja, wenn der Phantomschmerz zu groß wird, den „Last Waltz“-Film von Martin Scorsese.

Bob Dylan, dem The Band einst zu fulminanten Elektrogewittern und überirdischen „Basement Tapes“ verhalfen, spielt einfach durch, bis der Arzt kommt. Und ehe die Rolling Stones mal aufhören, versinken ihre karibischen Privatinseln im Meer. Im Grunde bleibt nur noch eine Wiedervereinigung, neben den beiden Koreas und Doherty/Moss: die Rest-Beatles. Mit Paul und Ringo, Yoko und den Lennon-Söhnen. Doch das ist so realistisch wie eine Cartwright-Family-Reunion auf der Ponderosa. Und das will wirklich keiner, niemals.

0 Kommentare

Neuester Kommentar