Hit Parade : Klee will "Berge versetzen"

Klee haben erkannt, welche Kraft ein Song entfalten kann, wenn er die feinen Risse in Gefühlen beschreibt, wenn er Hoffnung weckt, wenn er im Dunkeln leuchtet. Diese Woche stehen sie auf Platz 15.

Ralph Geisenhanslüke
Klee Foto: Promo
Klee -Foto: Promo

Ach ja, Suzie Kerstgens. Musikfreunde, männliche zumal, verfallen reihenweise diesem feenhaften Wesen aus Köln. So blond das Haar, so schwarz der Kajal, und, ach!, studiert in Germanistik und Philosophie. Suzie und ihre Band Klee sind ein klassischer Critics Darling: seit über zehn Jahren im Geschäft, fein gesponnene Lyrik, das Songwriting geschult an britischen Größen wie den Smiths oder New Order. Zeitweise wurden sie als rheinische Antwort auf 2raumwohnung gehandelt. Doch der Durchbruch ließ auf sich warten. Nun wollen sie endlich „Berge versetzen“ – in einer gefühlten Lebensphase, wo mancher Mensch sich fragt, ob ihm genau das noch einmal gelingen wird.

Vor fünf Jahren, da war sie 32 Jahre alt, verdrehte Kerstgens noch als leicht elektroverschlampte Femme fatale diverse Köpfe, indem sie erzählte, was sie alles „Nicht Immer Aber Jetzt“ täte. Dieser Ausbruch von Party-Situationismus liegt lange zurück. In der Zwischenzeit hat sie sich engagiert, etwa für Aktion Mensch, Pro Asyl und Krebshilfe. Vielleicht daher der Drang, das Positive zu betonen.

„Wir sind bis hierher gekommen, das ist doch schon mal was“, heißt es in dem Song „Du Und Ich“. „Vieles ist nicht mehr so nach all den Jahren, es fehlen Worte und Bilder, es fehlen Freunde, die da waren.“ Niemand muss fürchten, von Klee in dieser spätsommerlichen Melancholie allein gelassen zu werden. An anderer Stelle heißt es: „Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, wenn keine Sektkorken mehr knallen und der letzte Ton verklungen ist und du der letzte Gast auf deiner Party bist, dann werd’ ich da sein für dich“. Es wird viele geben, die für ein solches Versprechen wach bleiben. Schließlich wartet noch „Die Königin“ eine Disco-Nummer mit Streichern und Oktavbasspumpe.

Zugegeben, bei manchen Texten fragt man sich: Ist das jetzt Rosenmond? Silberstolz? Und einen Titel namens „Weil es Liebe ist“ hat uns auch Inga Humpe bereits ins Ohr gehaucht. Liebe ist nun mal ein zentrales Thema auch der Popmusik, und so gibt es hier Texte über viele ihrer Aggregatzustände, bis hin zur sanft vorgetragenen Trennung im Titelstück. Auch hier ist der Trost nicht weit. Klee haben erkannt, welche Kraft ein Song entfalten kann, wenn er die feinen Risse in Gefühlen beschreibt, wenn er Hoffnung weckt, wenn er im Dunkeln leuchtet. Bis zum Everest der Dichtkunst mag es noch ein Stück Weg sein. Doch das fünfblätterige Gewächs hat einen Weg gefunden, dort hinaufzuwachsen.

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