HIT Parade : Lizz Wright

Im US-Filmgeschäft heißt die graue Jahreszeit, die wir gerade durchleben, nicht Winter, sondern „Awards Season“. Lizz Wright hat Chancen: Sie ist diese Woche mit: „The Orchard“ auf Platz 41.

Ralph Geisenhanslüke
Lizz Wright
Lizz Wright: eine Stimme mit schwere Süße. -Foto: DIG

Sie beginnt traditionell Anfang Dezember und steigert sich bis Ende Februar über die „Golden Globes“ und über eine Vielzahl von Spezialpreisen in eine Hysterie, die nur mit Superbowl oder Champions League vergleichbar ist. Alles dreht sich um die lebensentscheidende Frage: Wer gewinnt bei den Oscars? Die Musikindustrie surft traditionell auf dieser Welle mit. Die Grammys, Brit Awards und auch der brave deutsche Echo liegen eng getaktet in eben in diesen Wochen, da die Menschen gern im Warmen vor der Glotze hocken und andere Menschen dabei anschauen, wie sie ihren Müttern und dem lieben Gott danken.

Im nächsten Jahr kommt noch ein Preis hinzu: der „Echo Jazz“. Eigentlich sollte er schon dieses Jahr Premiere haben, aber dann wurde er doch noch schnell in die normale Zeremonie eingebaut und an Till Brönner überreicht, für sein Weihnachtsalbum. Jazzmusiker, das zeigt auch Herbie Hancocks Auszeichnung bei den Grammys, haben in diesem auf Oberflächenreize und Umsatz orientierten Mediengetöse nur eine Chance, wenn sie sich aus ihrer Ecke heraustrauen. Das haben die Guten natürlich schon immer getan.

Zu den Guten zählt seit einigen Jahren auch Lizz Wright. Ihre Alben landen mittlerweile mit derselben Zuverlässigkeit in den deutschen Charts wie die von Keith Jarrett, Pat Metheny oder Diana Krall. Das dritte Werk der 28-jährigen Sängerin heißt „The Orchard“ (der Obstgarten). Damit ist nicht nur jene schwere Süße gemeint, die Wrights tiefsamtiger Alt verströmt, sondern auch die Vielfalt ihrer musikalischen Neigungen, die zwischen Jazz, Country, Blues und Soul changieren. Unter anderem zupfen und jäten hier Joey Burns und John Convertino von Calexico, deren feinfühlige Handreichungen stets überraschende Früchte zeitigen.

Wrights Obergärtner aber heißt Craig Street, ein Produzent, der bereits mit Alben von Cassandra Wilson oder Norah Jones zeigte, wie man mit üppig blühenden Frauenstimmen lang anhaltenden Ruhm erntet. Lizz Wright hat also gute Chancen für die Jazzgartenschau 2009. Ralph Geisenhanslüke

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