Kammermusikfest : Freundschaft!

Ein Kammermusikfest auf der Achse Berlin-Jerusalem erfreut sich großem Erfolg: Das „Chamber Music Festival Jerusalem“ bringt junge Künstler zusammen und nicht selten bleiben diese als Studenten in der Hauptstadt.

Tatjana Rexroth

Berlin Als die Pianistin Elena Bashkirova vor zehn Jahren das „Chamber Music Festival Jerusalem“ gründete, konnte sich in Israel kaum einer vorstellen, dass dieses herbstliche Künstlertreffen in kurzer Zeit eine derartig nachhaltige Reputation gewinnen würde. Bashkirova, Daniel Barenboims Ehefrau, leitet es mit feinem Gespür. Kernidee ist die künstlerische Freundschaft: Junge Musiker werden eingeladen, um zusammen mit renommierten Interpreten Kammermusik zu machen. Dabei hat sich auf der Basis der regelmäßigen Zusammenarbeit mit Musikern aus den Reihen der Berliner Philharmoniker und der Staatskapelle eine Art Achse Berlin – Jerusalem etabliert, die sich inzwischen auch als überaus fruchtbar für die deutsche Hauptstadt erweist. Viele junge Musiker aus Israel entscheiden sich inzwischen für Berlin als zweite Heimat und als Studienort, weil dort ihre Mentoren und Lehrer leben.

Das Festival stößt auf regen Zuspruch beim Publikum, das sich fast ausschließlich aus Migranten aus Osteuropa und Europa zusammensetzt. Gern tauchen sie während der Konzerte in Erinnerungen an Vorkriegszeiten ab; junge Zuhörer dagegen sind eher selten. Deshalb versuchen die Organisatoren nun, das Festival mithilfe behutsamer Veränderungen zu öffnen. So waren in diesem Jahr viele einheimische junge Interpreten zu erleben, darunter etliche aus den Reihen des von Daniel Barenboim und Edward Said gegründeten West-Eastern Diwan Orchesters, in dem Araber und Israelis zusammen musizieren. Auch Meisterkurse von herausragenden Pädagogen wie dem ehemaligen Fagott-Professor der Berliner Eisler-Hochschule, Klaus Thunemann, oder Dmitri Bashkirov für Klavier ziehen israelische Talente in Bann. In einem gut ausbalancierten Verhältnis waren neben Nachwuchstalenten herausragende Künstler wie Guy Braunstein, Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, Hornistin Marie Luise Neunecker oder Bariton Roman Trekel von der Staatsoper Unter den Linden zu erleben. Und Karl Heinz Steffens, Soloklarinettist der Berliner, dirigierte in Jerusalem Werke von Strauss und Mahler.

Passend zum Motto „Spätwerk“ wurde jedes Konzert von einer Fuge aus Bachs „Kunst der Fuge“ eingeleitet, jedes Mal in einer anderen instrumentalen Version. Das letzte Konzert begann mit der Fragment gebliebenen letzten Fuge, gefolgt von der Kantate „Ich habe genug“. Auf den hervorragenden Festivaljahrgang 2007 trifft freilich das Gegenteil zu.

Informationen unter: www.jcmf.org

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