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Konzertkritik : Kasabian im Huxley's

15.11.2011 14:49 Uhrvon

Es ist alles oder nichts. Kasabian sind eine Band, die entweder innig geliebt wird oder vehement abgelehnt. Mit nichts dazwischen.

Die Röhren der Verstärker sind vorgeglüht, Handtücher verteilt, Ventilatoren angeworfen. Grell und aggressiv greifen rote Spot-Finger fordernd nach den Fans im dichten Gedränge vom ausverkauften Huxley's, und schon beim sequenzerumspülten, umtosten Aufmarsch der Band besteht kein Zweifel: Kasabian aus Leicester treten an in der Gewichtsklasse "Stadionrock".

Höllenlautstärke donnert durchs Auditorium, bringt alles zum Schwingen, lässt alles vibrieren vom tief schüttelnden Grundgrummeln der Bassgitarre, die Chris Edwards durch zwei riesige Marshall-Schränke bummert. Während der bullige Ian Matthews seiner Bass-Drum einen noch bulligeren Kick verpasst.

"Days Forgotten". Die Wände wackeln.

"Shoot The Runner" shoutet Tom Meighan. Der Frontmann hat sich wieder eine neue Frisur zugelegt und wirkt mit schwarzer zurückgeölter Rockabilly-Tolle und großer Sonnenbrille wie Bono in jungen Jahren. Sergio Pizzorno, mit langen dürren Streicholzbeinen und wilden Fluderhaaren, agiert wie ein Gitarrenheld der 70er. Jason Mehler gibt den jungen Mod mit knalligen Kniffs und Riffs. Der Rest der Band sieht aus wie junge Brit-Popper.

Die Vielfalt der Optik findet ihre Entsprechung in der Stilistik der Band. Aus den unterschiedlichsten Zutaten verschiedener Epochen und Spielarten rühren sie eine zähflüssige, gleichförmige Klangpaste. Angedickt von Keyboards und Trompete.

War da eben noch das Hardrockriff von Deep Purples "Black Night", rappelt plötzlich Hiphoppiges dazwischen, Disco-Beats, Synthiepop. Elektronisches mit frühem Pink-Floyd-Georgel, Beatles-Anklänge mit Mellotron-Sound, Kinks-Gitarren und Stones-Psychedelia mit "We Love You"-Erinnerungen.

"Fast Fuse" beginnt mit waberndem 80er-Jahre-Synthie, geht über in schnelles Klingeln und Hämmern. Und mündet schließlich im Surf-Sound von Dick Dale, dessen "Misirlou" Jason Mehler flott aus der Gretsch tremoliert. Und am Ende bläst die Trompete noch ein bisschen Stierkampfdrama drüber.

Es ist alles oder nichts. Kasabian sind eine Band, die entweder innig geliebt wird oder vehement abgelehnt. Mit nichts dazwischen. Ihre Fans lieben sie bedingungslos, und durch den Saal geht ein wellenförmiges Wabern und Hüpfen von ganz vorne bis nach ganz hinten. Ekstase.

Mögen sich Kasabian ihren Namen zwar ausgeliehen haben von Linda Kasabian, einem Mitglied von Charles Mansons berüchtigter Mörderbande, und mögen sie auch spielen mit Mörderlautstärke, eine Mörderband sind Kasabian deswegen noch nicht.

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