Konzertkritik : Laura Veirs im Lido

Schlagfertig, witzig, selbstbewusst: Laura Veirs präsentiert moderne Folksongs, die so klingen als wären sie gerade spontan ausgedacht.

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Während sie ihre Gitarre stimmt, fordert Laura Veirs die Fans im Lido auf, ihr doch schnell ein paar Fragen zu stellen. Wie alt? - 36! Ist es ein Problem, mit dem dicken Bauch Gitarre zu spielen? - Nein! Das Baby kommt im April. Laura ist schlagfertig, witzig, selbstbewusst. Mit einem weißen Band im Haar, dunklem Kleid mit weißen Punkten und einer Brille mit dickem schwarzen Rand sieht sie aus wie das Klischee einer freundlichen Grundschullehrerin, die den Kindern mit ihrer Wanderklampfe ein paar Lieder vorsingt. Moderne Folksongs mit einfachen Melodien, die so klingen als wären sie gerade spontan ausgedacht. Und immer ein bisschen schief. Über den Sommer, die Sonne, die Sterne, die Natur, den Alltag. Ungeschminkt, unprätentiös, einfach. Zu feinem Fingerpicking auf der Martin-Gitarre. "She can really play it, she can lay it down: 'Smile', 'Good Vibrations', 'Help Me Rhonda', 'Homeward Bound'" singt sie, und huldigt damit der 74-jährigen Bassistin Carol Kaye, die nicht nur bei den hier zitierten Aufnahmen der Beach Boys und Simon & Garfunkel mitgewirkt hat. "It would be so cool to be like Carol Kaye."

"Ah-ha" antwortet der Chor in mehrstimmigem Satzgesang, drei Mitmusiker, die ständig Instrumente wechseln oder tauschen: Bass, Banjo, Danelectro-Gitarre, Percussions, Keyboards, Bratsche. Laura spielt eine interessante Gitarrenfigur auf der Danelectro, die ein wenig nach einem Riff der Red Hot Chili Peppers klingt. "July Flame" ist der Titelsong vom neusten Album, benannt nach einer Pfirsichsorte, die Laura auf dem Markt ihrer Heimatstadt Portland/Oregon entdeckte. Die Stimme, die vom luftigen Hauchen oft zu schriller Schärfe hochschießt, gerät gelegentlich in gefährliche Schräglage und taumelt in zirkulärer Intonation um die Töne. Dann alles wieder glatt in einer hübschen Version von Fleetwood Macs "Never Going Back Again". Glatt und schräg im Wechsel. Daran muss man sich gewöhnen.

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